Tagesbericht an das ausserdimensionale Headquarter: Kampfarena Supermarkt

Bericht von Planet Erde, Anno 2020, kurz vor dem Fest der Grillopfer

Mir graute schon seit dem Aufstehen, weil ich heute einkaufen musste. Nicht, dass ich Angst vor sog. Viren hätte, nein: Es ist die Meute der Verrückten, die da draussen frei herumlaufen, die mir ein ungutes Gefühl verursacht. Bzw die dieses Empfinden nur auslöst, denn dieses Gefühl, dass die Leute auf der Erde seltsam sind, begleitet mich seit Eintritt in diese Zone, Geburt genannt, es ist immer vorhanden.

Schon von weitem sah ich, dass es nur noch drei Einkaufswagen zur Verfügung gab, und dass jedoch mehrere Neuankömmlinge zugleich den Parkplatz vor dem Supermarkt erklommen. Mein Puls beschleunigte sich ein wenig, doch ich ergatterte ohne grossen Kampf einen Wagen. Als ich mich zum Eingang wandte, sah ich sie herauskommen: Klopapierpakete, in jedem Wagen fuhr eins hinaus aus der Kampfarena in das strahlende Sonnenlicht. Mein Puls begann zu galoppieren, und ich gebe zu, dass ich zuerst zum Klopapierregal abbog, bevor ich mich gemächlich der Orangensaftecke zuwandte. Es war noch genug da. Uff. Heute nachmittag hätte ich vermutlich nichts mehr bekommen… heute nachmittag versammeln sich die Sippen um das Familienfeuer und bringen Tieropfer dar an ihren alttestamentarischen „Gott“, noch dazu ohne überhaupt zu wissen, dass sie den uralten Opferritualen fröhnen.

Jetzt wird es also wieder gefährlich, frisch gewaschene Wäsche rauszuhängen, wenn man nicht will, dass sie abends nach Rauch stinkt von all den gegrillten Tierleichen der Nachbarn. Es könnte so schön sein …

Die Leute im Laden schauen einen nicht mehr an, sie haben Angst, man könnte sie ansprechen und Spucke-Tröpfchen auf sie ergiessen wie ein Wasserspeier aus Notredame. Oder was geht in denen vor sich? Sie waren mir immer schon rätselhaft und sind es nun mehr denn je. Warum darf man nicht mehr schauen und lächeln? Und grüssen? Ein Quätschchen halten? Warum biegen Leute, die ich seit 17 Jahren kenne, hastig in einen anderen Gang ab, wenn ich komme? Ich weiss, ich bin denen in der jetzigen Lage zu kommunikativ. Ist schon klar.

Ich haderte mit mir einige Minuten lang, bevor ich die Internetausgabe der Tageszeitung öffnete. Doch ich wollte vermeiden, in irgendein sozial angeordnetes Fettnäpfchen zu treten, wie etwa: Ab heute muss man zum Einkaufen die Unterhose über den Kopf ziehen, oder sonst eine neue absurde Regelung.

Und siehe da: Die Zeitung der Erdenmenschen vergeudet die Veröffentlichungsfläche, mit der man so viele Menschen an jedem Tag erreichen kann, mit einem Bericht, der da überschrieben ist: Ist der Corinnavirus eine Strafe Gottes? Pastor xyz weiss die Antwort. Wie viele Menschen könnten durch so ein Blatt aufgeklärt werden, mit echter Information versorgt werden; ihre Ängste könnten analysiert und leicht zu den Akten verwiesen werden. Stattdessen lautet das neue Motto: Wir zu Hause. Was essen wir zu Hause, was grillen wir zu Hause, welche bunte Maske basteln wir uns heute zu Hause, was lesen wir zu Hause (Mord und Totschlag, Sex und Leichensezieren, Lügenpolka und Pseudophilosophisches, also das, was ihr immer lest, siehe „Bestseller“-Listen und Angebote bei amazon). (Ja, ich HABE einst meine Artikel dieser Zeitung angeboten, es ist nicht so, dass ich nichts versucht hätte.)

„Besinnung“ wird immerhin empfohlen, doch GOTT selbst wird als potentieller Gegner erwähnt, siehe oben.

Ich klappte das so schnell wieder zu wie ich es geöffnet hatte, damit meine angenehme, hohe Energie nicht zusammenkrachte.

Bericht Ende.

Dass es niemals ein Massenerwachen geben kann, müsste auch der letzte Hardcore-Esoteriker jetzt klar erkennen. Und sich stattdessen fragen, was der Sinn seines eigenen Tuns denn hier ist?

Ich sehe schon lange wenig bis keinen Sinn mehr in dem, was ich all die Jahre schon tue, doch der verflixte Cosmic Sense verhindert, dass mir die Leute am Ar… vorbeigehen. Er sorgt dafür, dass ich wider jede Vernunft weiter und weiter von der LIEBE meines Lebens schreibe, also von GOTT. Warum ich das alles tue, ist mir als Person Katrin schleierhaft und mein LEHRER erklärt es mir auch nicht. Wenn jedes Provinzblatt mit seiner Lügenpresse mehr Menschen erreicht als jemand wie ich … Oh Mann.

Ein Trost war gestern erneut das Buch von Richard Bucke. Ich googelte den darin beschriebenen Maler-Dichter Blake, der ebenfalls zu Lebzeiten sehr wenig Beachtung fand und der dadurch, dass er (so behauptet Wikipedia, ich glaub es aus Erfahrung) sich einer Veröffentlichung über übliche Wege entzog (sprich: Verlage) etliche Menschen weniger erreichte. Wir nehmen das in Kauf, müssen es in Kauf nehmen. Freier Wille … ist für uns etwas anderes. Der Cosmic Sense lenkt unsere Bahn in eine sehr, sehr schmale Spur, so geht es wohl jedem meiner Art. Wirklich sehr tröstlich.

Apropos: Dunbury II wird es nicht mit einer ISBN-Nummer geben, es wird ein privates Buch, wenn auch es über BoD in Druck gehen wird. Öffentlich kaufbar wird es jedoch nicht sein. Wer Teil eins erworben hat, kann mich zu gegebener Zeit anschreiben und das Buch dann, also sobald es fertig ist, bei mir anfragen. Wer Teil eins nicht kennt, wird aus Teil 2 nicht den Genuss ziehen, der möglich ist.

Die Geschichte ist mir persönlich viel zu lieb, als dass ich sie wahllos unters Volk werfen möchte.