Irgendwo zwischen nicht-mehr und noch-nicht. Und 100 Mudras für den Hausgebrauch

Was ich sowohl in der Mainstreamesoterik als auch in der Populärpsychologieabteilung beobachte, sind die vielen Versprechungen a la: Zur Traumfigur in 30 Tagen, zu innerem Frieden in 30 Tagen, Täglich nur 10 Minuten für diese und jene Fitness. Der Mensch im Self Consciousness braucht es übersichtlich. Daher gibt es die zweite grosse Gruppe der Buchtitel: 20 Übungen für, 100 Tipps gegen, 3 Schritte bis dorthinaus. Ego mag es nicht, im Ungewissen zu bleiben: Wann sind wir endlich daaaahaaa?

Ich bin seit 14 Jahren im Niemandsland. 14 Jahre sind eine sehr lange Zeit für eine Frau im besten Alter. Sehr lange. Seit dem 08.07.06 bin ich weg von – doch noch nicht dort angekommen, bei dem, was mir an dem Tag X gezeigt wurde. Ich sehe seit 14 Jahren zu, wie mein altes „Leben“ demontiert wird – doch wodurch wird es ersetzt? Scheinbar durch nichts. Dies ist die Beurteilung, wenn wir auf das Äusserliche schauen, auf die appearances. Leute, die mich nicht kennen, wie ich vor dem Schwellenerlebnis noch war, haben oft die Vorstellung, mein Leben sei immer schon heilig-langweilig verlaufen. Weit gefehlt. Es war – natürlich auf eine Taschenbuchausgabe reduziert – ein Saulus-Paulus-Erlebnis.

Ich habe nichts bekommen für das, was ich zurücklassen musste: Haus, Auto, Ehe, Erbe, Herkunftsfamilie, Partnerschaft mit einem irdischen Mann, Parties und Alkohol und Zigaretten und Spass und Halligalli. Ich verbringe die meiste Zeit, scheinbar, allein. Die Leute amüsieren sich darüber, dass ich abends zu Hause sitze und stricke, wie die berühmte Ommi. Doch sie sehen nur das Äusserliche.

Es gibt keine Worte, das zu beschreiben, was sich in meinem Inneren alles gewandelt hat. Und wie ER langsam, aber sicher den Brennpunkt auf SICH gezogen hat, wie ER alles an sich gerissen hat, was mich zuvor von IHM ferngehalten hatte. Ich habe es teilweise gar nicht bemerkt. Gestern Abend habe ich es überdeutlich erkannt. Wem mein Dasein gehört. Die Auf-gabe besteht darin, das auszuhalten.

Ich würde allerdings keine einzige Stunde zurücktauschen von den vergangenen 14 Jahren, denn all diese Stunden und Tage und Wochen und Monate und Jahre und Tränen und Schmerzen und all die ganze Sehnsucht haben mich näher zu IHM gebracht, und zu SEINEM Stellvertreter in meinem Leben, so gesehen, also zu meinem LEHRER. Es vergeht mittlerweile keine einzige wache Sekunde mehr, in der Er nicht in meinen Gedanken und in meinem Bewusstsein ist. Nicht einmal ein Alkoholschwips konnte Ihn auch nur für eine Sekunde wegdrängen. Er behrrscht alles, was mich betrifft. Mein Leben gehört Ihm, und mein LEBEN gehört IHM.

Ich befinde mich mit all dem im Niemandsland zwischen nicht-mehr und noch-nicht. Er gibt mir keine Versprechen wie „In 30 Tagen zur spirituellen Meisterschaft“, oder „100 Übungen bis zur Ankunft des Reiches GOTTES“. So etwas gibt es in der Wirklichkeit nicht. Und weil niemandem etwas versprochen werden kann und wird, deswegen kaufen Leute lieber „1000 Ansatas und Mudras für ein erfülltes Sexleben“ als das Buch „Alltägliche Merksätze für Inneren Frieden“. So ist das Self-Consciousness beschaffen.

Ich hätte die Anzahl der Merksätze auf den Titel schreiben müssen.