Lemminge im Kampf gegen sich selbst

Heute früh bekam ich den Impuls, in die online-Tageszeitung zu gucken, was ich sehr selten tue. Prompt stand dort ein Bericht über die ehemalige Roxette-Sängerin, die „den Kampf“ gegen „den Krebs“ verloren hat. Natürlich hat sie das, wenn sie es als Kampf gesehen hat. Wer gegen sich selbst kämpft, und das bedingt ja gerade das Symptom „Krebs“, der muss ja folgerichtig verlieren. Ärzte, die bekanntlich Symbolfiguren des Egobewusstseins der Trennung und des immerwährenden Kampfes sind, müssen in diesen Kategorien denken und reden. HEILUNG jedoch setzt ein Beendigen des Kampfes voraus. Wer nicht beginnt, eigene Gedanken zu denken, muss dem Massenbewusstsein folgen wie ein Lemming.

Es gilt, herauszufinden, welche Lüge(n) über sich selbst derjenige „Betroffene“ geglaubt hat, viele viele Jahre lang, vielleicht lebenslang, geglaubt hat, so dass er irgendwann in seinen Untiefen des Körperwesens begonnen hat, sich selbst zu vernichten. Ich schrieb hier im Blog bereits ausführlich über den Zusammenhang mit Introjekten. Dies bedingt die Frage: Wer hat mir die Lüge eingeredet, dass ich so, wie ich BIN, nicht richtig bin? Besser wäre es, diese menschlichen verstrahlten Aggressoren aus dem eigenen Leben auszulöschen – statt sich selbst über die Körperbühne.

Natürlich ist es weitaus schmerzhafter (für das Ego) anzuerkennen, dass nicht etwas von aussen über mich hereingebrochen ist, sondern dass ich selbst die Verantwortung für die Symptomatik trage – was jedoch gleichzeitig die Chance eröffnet zu erkennen, dass ich auch dafür verantwortlich bin, den Kampf sein zu lassen und mich stattdessen der HEILUNG = GOTT zuzuwenden. Doch wer will schon mit GOTT zu tun haben? Dass ER uns madig gemacht wurde, dafür hat die Kirche schon gesorgt. Oder warum sonst ist es verpönt, auf einer Familienweihnachtsfeier von Jesus zu reden?

Die Aufgabe, die „der“ Krebs uns stellt, ist, wir selbst zu SEIN. Nicht mehr dagegen anzukämpfen. Leider wird in öffentlichen Berichten nie erzählt, was hinter den Kulissen im Leben der Leute los war, weil nicht bekannt ist (oder bekannt werden darf…), wie die Zusammenhänge rund um die Symptomatik sind. Meistens versuchen sie, wie die o.g. Sängerin, so weiterzuleben wie bisher, „sie kämpfte sich zurück auf die Bühne“ (der Körpersymptomatik…) ….. nicht begriffen habend, dass das offensichtlich doch vorher bereits verkehrt gewesen war – oder warum wurde das Symptom not-wendig?

Ich kenne zwei Selbstzerstörungs-Fälle aus persönlichem Erleben und weiss, dass das oben gesagte zumindest bei diesen beiden 1:1 zutrifft. Und in beiden Fällen gab es einen boshafte Einredungen rausschiessenden Aggressor, der nicht ganz so einfach aus dem Leben zu eliminieren war oder ist. Es wäre interessant, mehr Fälle zu untersuchen. Vielleicht bekomme ich in der Reha demnächst dazu Gelegenheit, mit Betroffenen zu sprechen und ein bisschen zu forschen.

Die Reaktionen auf meinen Chemo-Ausstieg sind übrigens durchweg positiv, mir wurden von mehreren Menschen erleichterte Glückwünsche ausgesprochen, dass ich rechtzeitig (dank meines zuverlässigen hochsensitiven Körperwesens) erkannt habe, dass es mich rasch gekillt hätte. „Wer die Chemo überlebt, überlebt auch den Krebs“, den Spruch finde ich sehr passend. Mehrere Leute haben mir gesagt, sie kennen jemanden, der an Organversagen nach der Chemo gestorben ist, und an nichts anderem. Was ist das für eine bekloppte Welt hier??

Ich bin noch immer nicht auf dem Stand von davor, war nach der OP Mitte Oktober besser zurecht als jetzt. Die darauffolgenden 5 Wochen Training in Sachen laufen und Atmen waren durch die Chemobombe wieder dahin. Ich habe noch nie zuvor solch eine grundlegende Schwächung meiner Konstitution erlebt. Das soll mit HEILUNG zu tun haben??? Der gesunde Menschenverstand darf eingeschaltet werden. Immerhin bin ich jetzt wieder bei 20 Minuten laufen plus Treppe zurück ins 2.OG. Danach aber auch platt auf der Couch. Leider morgens noch immer Blut in der Stirnhöhle, was sich beim Naseputzen äussert. Die linke Seite, die mir bei der OP lädiert wurde, ächzt auch wieder herum. Da hat meine Physiotherapeutin noch viel Arbeit. Immerhin kann ich alles essen und habe auch leidlich Appetit. Schlafe nachts wie ein Stein, gottlob.

Eins ist ein wunderbarer Nebeneffekt: Die Dankbarkeit. Ich bin dankbar, dass ich allein ins Bett komme und wieder heraus (das war nach der OP wegen der angeschlagenen linken Körperseite und messerscharfer Schmerzen leider nicht der Fall), ich bin dankbar, dass mir nicht Tag und Nacht kotzübel ist, ich bin dankbar, dass ich allein ins Lebensmittelgeschäft um die Ecke gehen kann (das war nach der Chemobombe nicht mehr möglich), ich bin dankbar, dass ich wieder kalte nasse Wäsche auf die Leine hängen kann (war nach der Chemo wegen des Nervengifts nicht mehr möglich), ich bin dankbar, dass ich nicht permanent huste, wenn ich versuche im Sitzen zu sprechen (war ein Riesenthema nach der OP), ich bin dankbar, keine Medikamente mehr nehmen zu müssen, und ich bin aktuell sehr dankbar, dass ich heute Abend mitfahren kann zum Weihnachtsessen meiner Arbeitsstelle. Wenn es auch vielleicht nicht lange sein wird, aber ich werde dabei sein. Dabei ist alles!

Mein Tipp für euch: Wer von euch heute herumjankelt, weil ihm die Nase des Chefs nicht passt oder weil er ein Sonderangebot im Laden verpasst hat, oder andere elementar (un)wichtige Dinge, der möge sich diesen Artikel mehrfach durchlesen und sich vorstellen, dass er all die oben aufgezählten Dinge (und noch weit mehr) morgen plötzlich nicht mehr könnte. Und dann bitte die Dankbarkeit wahrnehmen, dass ihr fit seid. Ich erinnere daran, dass ich ebenfalls ahnungslos vom Fitnessstudio zur Darmspiegelung gegangen war, damals im September. Es ist eine gefühlte Ewigkeit her. Seitdem bin ich durch mehrere Höllen gekrochen.

Schönen Tag liebe Liebenden!