Flaschenpost und Weihnachtssocken

Ein kurzes Lebenszeichen am Tag 1 der Infusionstherapie. Sass von 8:00 bis 13:30 Uhr in einem grossen Raum mit 15 Sitzplätzen, wie in einem Raumschiff-Film, wenn die sich alle hinsetzen und anschnallen vor dem Eiintritt in die Erdatmosphäre oder weiss der Geier, und ein jeder war belegt, und liess mir diverse Infusionen einträufeln. Dabei habe ich eine Weihnachtssocke fast fertig gestrickt (Rest dann morgen bei Sitzung No. 2) und Ruby Nelson auf den Ohren gehabt. Anschliessend las ich im Kishon und musste vor mich hin kichern. Fazit: Ich habe immer die Wahl. Entweder sitze ich mit Leichenbittermiene dort (auch das habe ich gesehen) oder ich mache das Beste draus und versuche, mich an GOTT festzukrallen.

Jetzt wird alles, was kalt bzw. nass ist, an den Nerven meiner Fingerspitzen eisigseiseskalt, und wenn ich ein Messer mit Metallgriff längere Zeit zum Brötchenschmieren in der Hand halte, beginnt es sich ebenfalls in Eis zu verwandeln. Very strange. Das liegt an dem Platinzeugs, was sie mir reinjubeln.

Ich entdecke die Welt quasi neu und bespreche alles mit meinem LEHRER. Der Gute muss sich das alles mit mir zusammen antun, und ich bewundere diesen Mann nicht zum ersten Mal grenzenlos.

Für heute Abend steht noch ein Filmchen auf dem Programmzettel sowie ein längeres Telefonat. Mal sehen, wie ich mit der Infusionspumpe, die mir wie eine moderne Flaschenpost um den Hals baumelt, in den Schlaf komme. Rückenlehnen senkrecht stellen!

Ich berichte euch weiterhin zu allen Geschehnissen und Erkenntnissen aus dem heutzutage weiten Feld der Infusionstherapie.

Übrigens hatte meine Lieblinstaxifahrerin heute eigentlich keinen Dienst, musste jedoch spontan für einen erkrankten Kollegen einspringen, und schon haben wir uns gefreut, als wir wieder eine Runde quatschen konnten. Zufall? Natürlich nicht. Hihi.