Exkurs: Zuhören und richtig lesen. Vorsicht – elitär und ketzerisch

Meine Erfahrung sowohl mit Ärzten als auch mit Krankenschwestern und mit Leuten im Privatleben ist, dass nicht richtig zugehört wird. Ebenso wird nicht richtig gelesen. Ich stelle konkrete Fragen, die zugegebenermassen manchmal ausserhalb des durchschnittlichen Fragenkataloges sind, und schon werden unreflektierte Standardantworten rausgehauen, mit denen ich nichts anfangen kann. Was geht da vor sich?

Da ich dieses traurige Phänomen für ein Ergebnis der kränken Programmierungen in dieser Welt halte, die wir hier im Blog aufdecken, finde ich es wichtig, meine Leser und Leserinnen dafür zu sensibilisieren. Denn hier im Blog wollen wir uns ja jenseits der 08/15-Norm bewegen und „effortless thinking of original thoughts“ (Ruby Nelson) praktizieren.

Beispiel: Jemand schreibt mir eine Mitteilung, die leicht erkennbar aggressives Potential hat. Ich frage zurück, was die Absicht der Mitteilung war, weil ich die verkappte Aggression nicht als verkappt wahrnehme sondern sie mir stets unverhüllt also explizit gezeigt wird (ein Effekt des Bewusstseins). Die weitere Antwort des ertappten Aggressors besteht aus vielen Sätzen ohne Inhalt, die ablenken sollen. Ich wiederhole stumpf meine Frage, ganz a la Byron Katie. Ego versucht weiter dem auszuweichen. Auf viele Fragen habe ich bis heute keine Antwort bekommen. Das ist nicht das Gesprächslevel, das ich für mein Leben und meine Kommunikationen anstrebe. Strebt ihr sowas an?

Es gab damals in den 80ern und 90ern eine Flut von Traumdeutungsbüchern. Ich erkannte sehr schnell (was nicht schwierig war) durch Querlesen, dass sie sich meistens widersprachen und dass manche „Deutungen“ blanker Blödsinn waren („Wenn Sie von einer Spinne träumen, suchen Sie schnellstmöglich einen Psychiater auf!“ Ohne Witz.) Bis ich auf das Buch von Ann Faraday stiess und begriff, dass ich mit meinen individuellen Träumen auch individuell umgehen muss. Und dass es darüber hinaus universelle Traumsymbole gibt, die jedoch in den Hausfrauenpsychologie-Büchern nicht entsprechend gewürdigt wurden. Es galt, sich in die weite Materie der Symbole und Spiritualität einzulesen, sich mit Tarot und Bibel zu beschäftigen etc. Eine lebenslange Aufgabe.

Ich schrieb in meinem letzten Artikel, siehe hier, dass meine Forschung ergeben hat, dass auf das sehr individuelle Symbolgeschehen „Krebs“ die 08/15-Deutungsbücher nicht passen. Zitat: „Wer sich mit dem Versuch einer Deutung dieses Geschehens befasst, wird bald merken, dass es von höchster Komplexität ist und ein sehr individuelles Geschehen. Pauschalaussagen wie bei anderen Symptomen sind nicht möglich.“ Ich beschrieb dass es wenig Gemeinsamkeiten bei mir bekannten Betroffenen gibt.

Welchen Sinn macht es da, wenn mir als Antwort jemand Auszüge aus Pauschaldeutungsbüchern schickt? Nichts für ungut, es war sicherlich eine wohlmeinende Absicht dahinter. Dennoch wurde nicht richtig gelesen. Ich war ja schon bei Dahlke nicht abschlüssig fündig geworden, der in Sachen Be-Deutung von Krankheitsbildern weiter vorne ist als irgendwer, nach meiner Einschätzung. Alles hier im Blog nachlesbar.

Weiterhin rätsele ich, was an der folgenden Aussage nicht verständlich ist, Zitat:

„Ich frage mich, ob jemand anderes schon den Zusammenhang von Negativprogrammierungen in der Kindheit mit Tumorgeschehen beschrieben hat. Sollte jemand von euch Literatur dazu kennen, bitte ich um einen entsprechenden Hinweis“

Meine konkrete Frage meinte, wie in dem Artikel ausführlich dargelegt, die Introjekte, und nichts anderes. Ich befasse mich auf systemischer Ebene mit dem Symptom und es hat daher für mich keinerlei Sinn, zurückzustufen auf oberflächliche Ideen, die alle schon vor Jahren durchgearbeitet wurden. Das soll nicht überheblich klingen, es ist einfach der nächste Schritt, der hier von mir getan werden soll. Rückschritte sind Zeitverschwendung.

Mir ist klar, dass dieser Artikel wieder als elitär verschrien sein wird, doch mir ist es wichtig, dass ihr begreift, wie wichtig und entscheidend der genaue Umgang mit Sprache ist, der eigenen und dem Gesprochenen/Geschriebenen des Gegenübers. Wenn wir da schleifen lassen, geht uns etwas verloren, was den vernunftbegabten Menschen ausmacht. Wirklich lesen, was der andere geschrieben hat und nicht das lesen, was im eigenen Hirn umherkreist und was Ego in der obersten Schublade gefunden hat. Notfalls nachfragen, dann kann ja noch einmal erklärt werden.

Ich hatte nach bereits bestehender Literatur zu dem Begriffspaar Introjekte – Krebs gefragt, weil ich nicht glauben kann, dass noch niemandem die offensichtliche Analogie aufgefallen ist. Und da es immer findige Leser und Leserinnen gibt, die viel und weit gelesen haben, erwog ich, die Frage hier in den Raum zu stellen.

Derweil lese ich ein ganz gutes Buch zum Thema Introjekte, das leider wie immer die spirituelle Seite des Menschseins völlig ausblendet, d.h. ich muss still beim Lesen ergänzen und korrigieren und zusammenreimen, sehr anstrengend.

Und jetzt bereite ich mich auf die Fahrt zum Krankenhaus vor, wo mir heute der Port (Dauerzugang für die Infusionen) unter die Haut gepfanzt wird.

11:11 ist ein Portal, das passt ja wieder! *schiefgrins*