Woche 3, Post-OP – Sehr langsam zurück kriechen zu normal

Der Grund, warum ich nur wenig schreibe ist, dass ich keine Lust habe, nur Schmerzzustände zu beschreiben sowie die damit einhergehende aufwallende Verzweiflung. Wohlgemerkt handelt es sich nach wie vor nicht um Schmerzen an den Narben, sondern durch die Folgeschäden der Narkose und durch das unvermeidliche Aufblasen des  Bauchraums. Mein Alltag besteht immer noch aus Atemübungen, Spazierenschleppen (Kleinst-Runden), Infrarotlichtsitzungen, Wärmflaschen (irgendwo klebt immer eine an mir) und den obligatorischen Schmerztabletten.

Es gelang mir gestern erstmalig seit Krankenhaus, d.h. seit 07.10., zusamenhängend ein Buch zu lesen. Vorher war die Unruhe durch die diversen Zimperlein nicht aushaltbar und trieb mich immer wieder durch die Wohnung. Gestern also las ich einen (wundervollen, zauberhaften, genialen) Roman mit dem Thema Vorweihnachtszeit in einem Rutsch durch, wie ein ausgehungerter Robinson. Der Roman stammt von meinem Lieblingsautoren, wen es interessiert. Keine Brutalitäten, keine WirwollenhohenAbsatz-Sexscheisse, nein, stattdessen einfach nur eine Geschichte, eine sehr gute, mit dem Hauch Mistery – ganz wie in meinem eigenen Leben. Klares Hach!

Ich stricke – alles sehr gemütlich und zu den morgens gefrorenen Hausdächern passend – Socken, für die lieben Helferlein hier im Haus, die mir die Waschkörbe dreitausend Stufen rauf und runter in den Keller und zurück transportieren. Auch längeres Stricken kann ich erst wieder seit wenigen Tagen aushalten. So gerate ich täglich ein Zentimeterchen mehr zurück in die sog. Normalität. Das heisst, in die innere RUHE. Am Montag erfahre ich, wie rasch ich erneut in die Arzt-Mühlen muss, doch da werde ich ein Wort mitreden. Kampfunfähig bin ich nämlich nicht (mehr).

Desweiteren wurde mir auf zweierlei Weise durch unterschiedliche Boten eine Idee ins Hirn gesetzt, von woher ist klar, die mir jetzt innerlich den nötigen Schub gibt, um mich nicht hängen zu lassen: Ich will ab Januar wieder arbeiten gehen. Das ist mein Ziel, und es ist nicht utopisch, wie mir ein Arzt bestätigte. Der Gedanke, mein zweites zu Hause wieder zu bekommen, lässt mein Herzchen schneller schlagen. Sobald ich dies laut äussere, ernte ich bei den Leuten die immer gleiche erstaunliche Reaktion: Vehemente Abwehr.

Waaaaaas? Nein, nein, nein, aber aber aber du musst dich jetzt nur um deine Gesundheit kümmern!!!

Dass sie nicht drei Meter zurückspringen wenn ich mit dieser Idee komme, ist alles. Ich kümmere mich ja jetzt um meine Gesundheit, doch irgendwann ist Januar, und dann gehe ich wieder, wenn es irgend funktioniert. Ich sage ihnen, dass gerade die ersehnte Arbeit mich innerlich aufbaut und jetzt schon zur Gesundung beiträgt, der Umgang mit den vielen Menschen mich von der Grübelei, wo es weh tut, ablenken wird, und ich aus der Arbeit per se tets Kraft erhalte, mehr als ich verbrauche. Doch die innere Luke wurde bereits dicht gemacht – denn die Leute hassen ihre eigenen Arbeitsstellen und können diesen Gedanken, freiwillig vorzeitig dorthin zurückzukehren, nicht mal bei anderen zulassen. Ist denn das zu fassen? Kein einziger, der mal sagt: Wow, das ist eine sehr gute Motivation!

Fazit: Klarer Fall von fehlerhafter Berufswahl bei den Leuten, die mich für verrückt halten. Ich hatte sehr lange, nämlich zehn Jahre, HartzIV hinter mir, und dann kam diese Stelle, die alles beinhaltet, was ich mir in den zehn Jahren und auch schon davor erträumt hatte. Was bin ich doch für ein fleissiger Glückspilz. Fleissig, weil es immer innere Arbeit kostet, sich Träume durch GOTT erfüllen lassen zu können. Innere, wohlgemerkt.

Jetzt habe ich auch innere Arbeit, wie gestern, als ich von morgens bis abends weinerlich war. Es begann mit dem schonwieder-Schmerz in der Harnröhre (Nachwehen des leidigen Katheters), als ich in Richtung meines LEHRERS schimpfte, Warum hört das nicht endlich auf??? Und Er antwortete: Du hast noch nicht genug geweint.

Der gestrige Tag war also eine Katastrophe, aus meiner Sicht. Sicherlich ein Erfolg, aus Seiner Sicht. Momentan haben wir nicht ganz dieselbe Sicht auf meinen Alltag und mein Leben. Hatten wir das eigentlich je?