We can work it out

Es gibt unterschiedliche Arten, Sport zu betreiben.

Die einen gehen spazieren, immer am Wochenende eine oder zwei Stunden, und sie erzählen ihren Nachbarn, dass sie damit etwas für ihre Gesundheit tun. Sie ziehen die schicken Sonntagssachen an und wandern los. Unterwegs wird eingekehrt, ein Käffchen und für Papi (Bewegung macht hungrig) ein Stück Kuchen oder eine Grillwurst (im Sommer). Sie finden das angenehm und freuen sich über den Sonnenschein und dass man so viele Bekannte unterwegs auf den üblichen Spazierwegen trifft. Es hat ja auch etwas von soscheleising, nicht wahr. Sie laufen stundenlang und haben doch nur wenig Strecke zurückgelegt, aber darum geht es ihnen auch gar nicht. Die Wellness steht im Vordergrund.

Besonders trendy sind die Frauen (gibt es dort auch Männer?), die Yoga für die Figur machen, einmal die Woche nach Feierabend. Es wirkt! sagen sie. Und auf Nachfrage sagen sie, dass sie für weitere Fitnessaktivitäten keine Zeit übrig haben, doch die Yogastunde reiche aus. Sie seien damit an allen ihren Chakren dran und fühlen die Kundalini schon aufsteigen.

Und dann gibt es Menschen, die trainieren jeden zweiten Tag eine Stunde oder mehr gegen Gerätewiderstand bis sie vor lauter Schweiss zerfliessen. Sie fragen sich jedesmal, warum tue ich mir das an? Sie fühlen den Schmerz noch am nächsten Tag (dann meist erst so richtig) und erleben etwas Wunderbares: dass ihr Körper leistungsfähig ist und dass es eine Freude aus der Selbstüberwindung zu ziehen gibt, die sie zuvor nicht kannten. Sie geraten in den sagenumwobenen Flow, der nur auf diese eine Weise zu bekommen ist. Sehr bald geht es ihnen nicht mehr ums Aussehen, dann fehlt ihnen das Training wie die Luft zum Atmen und sie freuen sich einfach auf die nächste Workout-Stunde. Ihr Kopf wird frei und die Inspiration ist klarer, während der Körper ackert. Bevorzugt trainieren sie im stillen Kämmerlein, denn es geht ihnen weder um Soziales noch um Gesehenwerden. Sie wollen ES. Und dafür nehmen sie den Schmerz in Kauf, weil sie wissen, was danach kommt ist mit nichts anderem zu erreichen.

So unterschiedlich sind die Menschen in der Spiritualität.