Immer noch Furcht vor GOTT? Das innere Bild des VATERS

Wer ist GOTT für uns? Wer ist ER für dich? Natürlich springt dein ich-bin-artig-und-spirituell-Ich nach vorn und behauptet, dass dein Verhältnis zu IHM bestens ist, denn du hast ja dein Bewusstsein schon sehr weit entwickelt und alles begriffen statt nur verstanden usw. usf.  Davon abgesehen, dass niemand sein Bewusstsein selbst ent-wickeln kann … bleib einmal stehen und sei ehrlich zu dir selbst und zu IHM: Wer ist der, den du da sozusagen vor dir hast?

GOTT hat die unangenehme Angewohnheit, dich von innen heraus zu sehen  – und daher kannst du IHM nichts vormachen. Vielleicht kannst du den Esoterikern oder dem Priester deines Heimatortes etwas vormachen. IHM selbst niemals. Denn wer ist GOTT tief drinnen (noch) für dich?

Ich bekam gestern eine sehr lehrreiche Wiederholungslektion, um genau diese versteckte Meinung über GOTT in mir aufzudecken. Warum tut ER das? Will ER uns bloss stellen, ätsch rufen, oder was? Nein, was ER will ist, dass wir unsere antrainierten Ängste verlieren, die zwischen IHM und uns stehen. Wenn du jemanden liebst, egal ob dein Kind, ein Haustier, einen Partner, was auch immer, willst du nicht auch, dass dieser jemand keinerlei Angst vor dir hat und dir traut? Ist nicht uns von einem anderen entgegengebrachtes Misstrauen das Schlimmste, zumal wenn derjenige uns wichtig ist? (Ich setze bei allem was ich schreibe gesunde Menschen mit normaler Psyche voraus.)

Weil wir als Kinder nie von Erwachsenen – also Eltern, Lehrern, Priestern, Professoren, usw. – gehört haben, wie GOTT wirklich ist (denn sie wussten und wissen es selbst nicht), mussten wir uns ein eigenes Bild zusammenwursteln, wer und wie GOTT sein könnte. Als Vorbilder dienten uns mangels Masse eben diese Erwachsenen, ihres Zeichens selbst traurige Gestalten mit eigenen zusammengezimmerten Gottesattrappen. Ich kriegte als Kind noch von meiner Oma (vor der wir Kinder einen Heidenrespekt hatten) zu hören, dass mir Hörner wachsen, wenn ich mich nicht artig verhalte. Heute würden alarmierte Grundschullehrerinnen wahrscheinlich eine psychologische Beratungsstelle einschalten, doch damals in den 70ern gehörte sowas noch zur normalen Erziehung hinzu. Heute nicht mehr, denn GOTT wird stattdessen gar nicht mehr thematisiert, weder positiv noch negativ. In den Vordergrund stellen die fortschrittlichen Leute Humanität und gute Taten.

Bekanntlichh sind meine Erlebnisse mit GOTT bisher durchweg positiv, und daher sollte ich IHM endlos trauen. Doch mir wurde gestern leider bewusst, dass ich hinter jedem Geschenk von GOTT noch immer irgendeine Hinterlist vermute, irgendeine Prüfung, und irgendein dickes Ende, das ER gleichzeitig mitgeplant haben mag. Das ist mein Vater, nicht aber mein VATER. In Ermangelung echter mit-geteilter Erfahrungen der Erzieher in meiner Kindheit (siehe oben) habe ich mir einstmals ein Gottesbild allzu festzementiert, das ich noch heute mühsam abtrage, Krümel für Krümel. Manchmal brechen auch ganze Schichten weg, das sind dann Sternstunden der Befreiung.

Ich wusste gestern Abend: ER ist immer noch ein Fremder für mich, dessen Motive ich nicht immer kenne, dessen einzelne Handlungen in und an meinem Leben ich nicht immer verstehe, der daher unkontrollierbar und unberechenbar für mich ist. Den ich fürchte und auf Abstand halte.

Zwar setze ich mit dem klugen Verstand und menschlicher Vernunft voraus, dass GOTT nur GUT will, doch in mir wohnt noch immer das kleine Kind mit einem ebenso unberechenbaren Vater, der bis zu seinem letzten Atemzug danach trachtete, seine Töchter wirtschaftlich zu ruinieren (seine eigenen Worte kurz vor seinem Tod).

Ich bin selbst erschüttert, dass ich auch nach morgen 49 Jahren auf diesem schrägen Planeten nicht weiss, wie GOTT wirklich ist, es noch immer nicht mit dem HERZEN weiss.

Hoffentlich kann ich euch zu meinem 50. Geburtstag nächsten Sommer etwas anderes berichten.

 

 

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