Der männliche und der weibliche Teil der Reise

Dieses Thema gab es schon einmal in einem Artikel; hier soll es noch einmal explizit herausgestellt werden. Zu Beginn, wenn wir auf den WEG gehoben worden sind (denn das kann sich niemand frei aussuchen, es ist unverfügbar)  leben wir noch völlig aus dem Ego und sind innerlich von tausend Schichten Mist und Unfug umgeben. Es folgen die männlich-aktiven Jahre, in denen dieser ganze Schutt weggeräumt werden muss, absichtlich, durch eigene bewusste willentliche Anstrengung. Wir müssen täglich aufs Neue beweisen, dass wir es wollen, mehr als alles andere in unserem Dasein.

Gleichzeitig sind die Umstände für dich exakt so, dass du entsprechend Reibungsfläche findest, um voranzukommen. Alle losen Ende, unerledigten Themen und Beziehungen eskalieren. (Dies ist nicht zu verwechseln mit umherrennenden Egomaniacs, die einen angeblichen Weg, auf dem sie vermeintlich wären, als Ausrede nehmen, um rücksichtslos Unheil anzurichten.)

Dieser erste Teil des WEGES dauert Jahrzehnte oder nur Jahre, vielleicht ein ganzes Leben, je nachdem wie derjenige mitarbeitet. Dies ist der Teil, den die Mainstreamesoterik gerne verschweigt oder leugnet, weil es sich nicht sehr gut verkauft, von not-wendiger Anstrengung zu erzählen.

Ich habe in den ersten elf Jahren ca. drei Bücher pro Woche gelesen,habe in den Jahren zehn Bücher geschrieben, plus all diese Artikel und Blogs und mehrere Webseiten, die kamen und gingen, und von denen nur meinatlantis der harte Kern ist, der immer noch online ist. Ich musste meine komplette Herkunftsfamilie klären, jedes einzelne Band wurde von IHM geprüft, und was nicht taugte, zerriss. Alle Freundschaften wurden abgeprüft, und alle je gehabt habenden Freundschaften wurden wieder auf die Bühne geholt und kurz beleuchtet, dann verschwanden die meisten davon wieder, alle bis auf eine, um genau zu sein. Was nicht zu dem WEG passt, fällt weg. Ich musste alles anschauen, alle Arbeitsstellen, die ich je hatte, alle Motivationen dazu und die Motivationen zu allen anderen Lebensthemen. Alle Expartnerschaften mussten gelöst werden – denn du kannst nichts mitnehmen in das Land, in dem du zu Hause bist, auch keinen Groll oder Zorn auf etwas oder jemanden in der Vergangenheit. Mir wurde materiell alles sukzessive weggenommen, Auto, Arbeit, Haus, Geld, alles.

Als das Buch von Ruby Nelson meinen WEG kreuzte, ahnte ich schon, dass ich darin dichtestmöglich komprimiert alles gefunden hatte, was ich in den dreitausend Büchern zuvor gefunden oder eben nicht gefunden hatte, und dass es quasi kein weiteres Buch für mich mehr braucht. Durch es wurde ein neuer Massstab gesetzt, und ich kann heute kaum noch ein „gutes Buch“ finden.

Vor anderthalb Jahren auf einmal wurde ich in den weiblichen Teil der Reise gezogen, ohne meinen bewussten Entschluss dazu. ER entscheidet, wann du reif bist dafür, und du kannst keinen Schritt vor einem anderen notwendigen Schritt tun und kannst auch nichts überspringen. Plötzlich ging es um reine Hingabe, keine Aktivität mehr, es drehte sich alles nur noch um STILLE und STILLHALTEN. Nicht, dass es dadurch sogleich leichter wurde. Ego assoziiert mit STILLE bekanntlich Urlaub und faulenzen. Doch gerade in der STILLE wird die grosse ARBEIT getan, doch nicht von dir. ER tut sie. Das ist sehr, sehr schwer auszuhalten. Ich fand mich damals in einer mir völlig unbekannten Langeweile wieder, nichts brachte mein Inneres mehr zum klingeln. ER zog alle Motivation von mir ab, denn ausserhalb von GOTT kann es keine Motivation geben. Waren in dem ersten Jahrzehnt meine Urlaubswochen stets von einer unangenehm erhöhten Zwangsbewegung gekennzeichnet (Auseinandersetzungen mit Gerichten, Anwälten, lauter solche unschönen Gänge, und diverse Krankheitskrisen, Auseinandersetzungen mit Ärzten auch und mit Ämtern), so fand ich mich plötzlich in drei Wochen voller – Nichts wieder, voller leerer Langeweile. Zuerst dachte ich, etwas stimme nicht, GOTT habe mich fallen gelassen, es war so verdächtig leise in meinem Leben. Ich erkannte dann recht schnell, was nun von mir verlangt wurde: STILLE. Bis heute ist es zuzeiten schwer für mich, SO still zu sein. Der Dhikr hilft – wie ebenfalls schon mehrfach hier im Blog berichtet.

Zu akzeptieren, dass GOTT der ist, der alles bewirkt, ist die sicherlich schwerste Aufgabe (kommt von aufgeben) eines Menschen in unserer kränken Leistungsgesellschaft.

Ich beginne mittlerweile, diesen Zustand zu geniessen, auch das Vertrauen zu IHM, und die Tatsache, IHM alles überlassen zu können, was noch von meinem „Leben auf der Erde“ übrig ist. Es gibt keinerlei schwierige Entscheidungen mehr, keine grossartigen Probleme, so wie früher, und wenn etwas unklar ist, lasse ich IHN es erklären. Es ist so leicht. Ich übe täglich das Stillhalten. Damit sind sowohl die Gedanken als auch die Emotionen gemeint. Alles muss zur Ruhe gebracht werden – durch Stillhalten. Bewusst hinsetzen und sagen: so.

Heute habe ich beim Stricken einer Restewollestrickjacke (denn es wird ja derzeit nichts Neues gekauft) erneut den gesprochenen Text von The Door of Everything angehört (Sprecher: Adam Abraham, PRICELESS, siehe Youtube -solange sie es noch zur Verfügung stellen). Jedesmal, wirklich jedes einzelne Mal erhebt mich dieses Buch in die schönste NÄHE zu IHM. Ich erlebe das Aufwallen von LIEBE zu diesem GOTT, die ich leider in 36 Lebensjahren dieses Erdenlebens nicht wahrgenommen hatte. Nun weiss ich GOTTseidank, dass sich das nie wieder ändern kann und ER immer „in meinem Bewusstsein“ ist, denn ER ist mein Bewusstsein. Always on my mind. Ich habe gelernt, mich in SEINE Arme fallen zu lassen. Ich wusste vorher nicht, dass ich kein Misstrauen zu haben brauche, keine Furcht vor IHM und dass ER keinesfalls so fehlerhaft ist wie Erdeneltern. ER ist anders. Mein LEHRER hat mich hierher geführt, und mit Ihm ist es ganz genau so. Um diesem Menschen zu begegnen, habe ich all diese Mühen auf mich genommen, und um Ihm zu begegnen, lerne ich jetzt ebenso gründlich, still genug zu halten.

Niemand hat mich je darauf vorbereitet, wie schön es ist mit IHM. Ich bin sehr dankbar, darüber schreiben zu können und hoffe, es bestätigt irgendwem da draussen, dass alles gut läuft und dass GOTT immer da ist.

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