Kinofilmkritik – zum Mit-Raten

Neulich traf ich den Marsianer Mark, und er berichtete mir von einem Kinofilm, den er gesehen hatte. Er hatte den Sinn des Films nicht begriffen, und daher bat ich ihn zu schildern, was er beobachtet hatte, ich könne ihm vielleicht einen Tipp geben. Immerhin sei ich auch von der Erde und kenne mich da aus.

Es ging um einen kleinen Jungen, berichtete Mark, aus dessen Kindheit ein paar Jahre in dem Film nachgespielt wurden. Der Junge hatte eine durchschnittliche Erdenkindheit, mit den üblichen Katastrophen und auch vielen wunderschönen Erlebnissen. Das einzige, was Mark auffiel war, dass der Junge in der heute in Amerika massiv in den Medien propagierten „Gender-Verwirrung“ steckte, obwohl es noch so viele Erdenjahrzehnte vor unserer Heutezeit spielte, und zudem gar nicht in Amerika.

Sehr schön zu beobachten, so berichtete Mark, waren die Umgebung und die Gegenstände des täglichen Gebrauchs aus der frühen Zeit (Anfang der 1970er Jahre), die Automobile und die relative Technikfreiheit, das Fehlen der bombardierenden Werbetafeln, die heute alles beherrschen. Alles sah noch etwas unbeholfen und manchmal krumm und schief aus, wie zum Beispiel die handgeschriebenen Verkaufsschilder im Laden, alles war noch nicht so perfekt-präzise computergrafisch gedruckt und damit nicht so seelenlos, so wie es heute leider sei.

Doch worum eigentlich ging es zwei Stunden lang in dem Film? Mark analysierte den Jungen. Ein  durchschnittlich traumatisiertes Kind, eher wohlbehütet -verglichen zu den meisten heutigen Kindern gleicher Altersstufe, und sehr genau die Erwachsenen im Blick haltend, umso kontrollierender, je mehr schlimme Dinge passiert waren. Also normales Ego-Verhalten. Auffälliger Hang zur egoistischen Selbstdarstellung unter dem Vorwand, andere zum Lachen bringen zu wollen. Sehr, sehr grosses Ego. Kein Gegengewicht zu dem Anwachsen des Egos in dem Film auszumachen, sprich: spiritueller Beistand.

GOTT habe er also in dem Film nicht auffinden können, nicht einmal in der dauernd gezeigten Ordensfachangestellten, die nur immer mitfeierte und ansonsten wenig zum Kontakt des Jungen mit zu Hause beitrug (gar nichts?). Das war ihm besonders rätselhaft. Wozu seien diese Leute denn angestellt worden, fragte Mark mich. Ich zuckte die Schultern. Es gebe sicher auch andere, die sich mehr einmischen, meinte ich.

Und warum, fragte Mark mich weiterhin, drehen auf der Erde erwachsene Leute einen Film über die eigene relativ uninteressante Kindheit? Warum sollen andere sich ihr Kinderleid anschauen? Wem hilft das? Hat nicht jeder genug eigenes Leid, manche wesentlich schlimmeres?

Ich weiss nicht, antwortete ich, vielleicht zeigen sie das den anderen verletzten Egos, die sich dadurch in bester Gesellschaft wähnen? Oder vielleicht braucht derjenige, der seine Kindheit so ausführlich demonstriert, einfach eine Begründung für sein heutiges Sosein?

Aber was hat die Kindheit mit heute zu tun? Mark sah mich angestrengt an, er versuchte zu begreifen, wie wir ticken.

Nun, nicht jeder auf der Erde arbeitet an der Auflösung seiner Kindheitsprogramme, erklärte ich, die meisten leben das, was ihre Egos einst geärgert oder verletzt hat, immer weiter und weiter fort, bis sie dann eines Tages nicht erwachsen geworden sterben.

Mark war fassungslos. Er dachte kurz und fragte dann weiter:

Ein Film sei sehr teuer, und die Leute wenden ihre Lebenszeit auf, um sich das anzuschauen. Das sei eine sehr grosse Chance, vielen Menschen zugleich eine Botschaft von GOTT zu überbringen. Welches Gleichnis zeige derjenige diesen anderen? Er habe es nicht erkannt, doch vielleicht wisse ich es? Mark sah mich mit seinen grossen Augen an.

Ich antwortete lahm, dass ich glaube, die Botschaft des Films laute vielleicht: „Auch wenn es euch scheisse ging, könnt ihr dennoch berühmt und reich werden, so wie ich.“

Mark überlegte angestrengt, denn legte er den Kopf schief und fragte:

Begreif ich nicht. Was hat das für einen Wert?

 

 

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