Körperlosigkeit bei Menschen unter 30 – Kopffüssler erobern die moderne Welt

Derzeit lässt die Wetterlage wieder einige interessante Beobachtungen zu: Es ist nasskalt mit Sturm. Doch die Menschen zwischen 12 und 25 stehen an der Bushaltestelle in Stoffturnschühchen, Männer auch ebenso wie Frauen, und dazu in hautengen blutabklemmenden Hosen, die schon längst weit droben über dem Fussknöchel enden, in kurzen Blousonjäckchen, keinen Schal oder sowas um den Hals, nein, offene Jacken (besonders die coolen Wannabe-Männer, gerne mit Bart). Was ist da los? Als ich eine junge Frau auf der eiskalten Aussentreppe eines Shoppingcenters rauchend sitzen sah, dachte ich, es muss daran liegen, dass die Menschen ihre gesunde Körperwahrnehmung verloren haben.

Gestern brachte meine Tochter, synchronicity at its best, ihre Philosophieklausur nach Hause, in der es exakt um den Unterschied der Wahrnehmung „es ist kalt“ zu „ich friere“ geht. Offenbar nehmen die Menschen nicht einmal mehr die unterste Stufe „es ist kalt“ wahr, die noch nichts mit ihnen selbst zu tun hat. Ebensowenig sind sie zu der höheren Empfindung, die auf sie selbst bezogen ist, fähig, „wie geht es mir damit?“ -was sehr tief blicken lässt.

Frage: Wie sollen solche Menschen jemals die Höhere Wahrnehmung erleben? Die noch weit verfeinert über das grobe Körperliche hinausgeht? Sind die Leute denn heutzutage nur noch Köpfe, die mit blinkenden fiependen elektronischen Geräten mittels Ear-Steckern verbunden sind und die sich von einer fremden fernen Quelle mit schädlichen elektrischen Signalen füttern lassen? Ich erwähnte schon einmal, dass im Bus alle, und zwar ausnahmslos, unter 30 Jahren verkabelt da sitzen. Die Kleinsten, noch im Buggy, sitzen da mit einem ausrangierten Handy von Mama in der Hand und wischen professionell darauf herum. Die Menschen meiner Generation nicht, wir schaffen es noch, mit Fremden im Bus ein lustiges Gespräch zu führen.

Wer energetisch arbeitet und sich schon einmal in der furchtbaren Position befunden hat, unfreiwillig neben seinem Körper zu stehen, und das über Wochen (ich war dort zweimal, in 2004 und in 2010), der hat kapiert, wie wichtig es ist, ganz in diesem Erdenkörper anwesend zu sein. Denn, remember: Wir nehmen ihn mit, er ist nichts, was wir hier verlottern lassen könnten. Als es mir in 2010 so scheisse ging, geriet ich an ein wunderbares Buch von Maria Holl (das ihr euch dann im März kaufen könnt), das eigentlich für Tinnituspatienten geschrieben wurde, doch Tinnitus ist ebenfalls ein Problem von Kopffüsslern wie das, was ich damals durchmachte. Die Übungen, die darin beschrieben werden, helfen uns zurück in unseren Körper, vor allem in Becken, Beine und Füsse. Gleichzeitig stellte ich alles ab, was nur den Kopf allein beschäftigte: TV, Lesen, Musikhören, auf den PC glotzen usw.  Ich ging wieder draussen spazieren und machte regelmässig Körperübungen. Und siehe da, es wurde besser. Na sowas.

Der Kopf ist mit der Aufgabe der alleinigen Bewusstseinszentrale völlig überfordert, weil das nicht sein Job IST. Das HERZ ist die Zentrale, und das Becken sorgt für Stabilität und Erdung. Der Kopf ist eigentlich nur ein Beobachtungsmelder und Kommunikationsgerät in Bezug auf andere Köpfe. Das ist den Twens und Teens unserer Gesellschaft völlig unbekannt, doch wer sollte es ihnen auch erzählen, denn ihre Eltern haben ebensowenig Peilung. Immerhin haben die jedoch noch in ihrer Kindheit draussen gespielt, was sie ein Stück weit rettet. Wenn ich euch erzählen würde, mit was für Klamotten die Kinder sich in der Schule von den Eltern abholen lassen, meiner Treu! Sie verrenken sich die Gräten schon beim Stifteanspitzen, so fern von einem gesunden Körperverhältnis sind sie bereits. Wir sind mit aufgeschlagenen Knien weitergerannt, Hauptsache wir mussten nicht vor 18 Uhr rein. Heute tun Kinder alles, um nicht raus zu müssen und stattdessen lieber im Bett Serien zu gucken oder zu zocken.

Nun sehe ich also tagtäglich diese verkabelten Kopffüssler und frage mich, was aus ihnen wohl einmal wird. Doch das ist deren Verantwortung und nicht meine. Ich jedenfalls möchte nicht noch einmal meine beste Freundin fragen müssen, ob ich noch sichtbar sei, oder vielleicht schon ein Geist. Wenn mich heute jemand verspöttelt, weil ich mehr Körperempfindungen wahrnehme als der Durchschnitt, dann freue ich mich im Stillen und erinnere mich dankbar an die schlimmen Zeiten, die für mich vorbei sind.