Mit dem LEHRER gibt es keinen Magnetismus. Warum Er absurd handeln muss

Neulich hab ich einen Film mit Ben Kingsley auf Nettschitt angeguckt, der sehr, sehr schön die Lehrer-Schüler-Beziehung darstellt. Natürlich ist es darin auf weltlichen Klimbim bezogen, und dass das Schachspiel ein Symbol für den einen eklatanten Fehler in dieser Welt ist, ist auch logisch, doch es gab einige Szenen, die kenne ich von dem LEHRER, der mich als Schülerin hat.

In dem Film geht es um einen 7jährigen Burschen, der Schachspielen lernen will, also richtig lernen, weil sein Vater und er wollen, dass er Turniere gewinnt. Sie geraten an diesen Lehrer, gespielt von dem genialen Kingsley. Besser hätte niemand in diese Rolle gepasst, er hat dieses Stummezuschauen des LEHRERS perfekt rübergebracht. Diesen stummen mitfühlenden wissenden Blick, und doch nichts preisgebend. Als Zuschauer rätselt mensch, was der Kerl zu verbergen hat, er ist seltsam. Und er ist von derselben Sache besessen, was ihn als Lehrer qualifiziert.

Es gibt in dem Film eine Szene, als der Kleine vor seinem Lehrer am Schachbrett sitzt und der Lehrer sagt sinngemäss, du musst dir vorstellen wie das Spiel ausgeht, bevor du den nächsten Zug machst, du musst alle Schritte bis zum Ende sehen, bewege die Figuren in deiner Vorstellung. Irgendsowas. Der Kleine starrt so angestrengt auf die Figuren auf dem Brett, dass einem als Zuschauer schon die Tränen in die Augen treten, und schliesslich antwortet er in höchster Verzweiflung: Ich kann es nicht sehen, ich kann es nicht sehen!

In dem Moment fegt der Lehrer mit einer einzigen überraschenden Bewegung alle Figuren vom Brett. Wusch! Als Zuschauer ist mensch erschrocken und entsetzt, ebenso wie der Bursche, mit dem die Identifikation schon längst hergestellt worden ist. Dann sagt der Lehrer irgendsowas wie „Ich denke, das hilft.“

Ich habs nicht auswendig gelernt, schaut es euch selbst an, doch sinngemäss funktioniert es auch in der Wirklichkeit so. So behandelt dich der LEHRER. Du wirst – zu Beginn – mehr wütend auf Ihn sein als alles andere. Er zerstört dein ganzes gewohntes Leben und alle deine Ausflüchte und Bequemlichkeiten, und zunächst sieht es so aus, weil du durch die Augen des Egos guckst, als wolle Er dich ärgern und quälen. Doch sobald du beginnst, durch Seine Augen zu sehen, erkennst du die Hilfe darin, und der Ärger wandelt sich in Dankbarkeit.

Kingsley geht in dem Film zu den Turnieren nicht mit, und als Zuschauer-Schülerin empfand ich das als mega-enttäuschend, ebenso wie der Bursche. Doch als es zum finalen Kampf mit dem Endgegner kommt, wie es so schön heisst in der Supermario-Spieleweltsprache, da ist der Lehrer dabei. Und vor dem entscheidenden Spielzug hört der Bursche seines Lehrers Stimme in seinem Kopf und handelt danach – und siegt.

Und ich war in Tränen aufgelöst, hatte einen Puls von 390 und die LIEBE pulste wie verrückt durch mich durch. Je also, ich kann euch den Film sehr ans Herz legen, wenn ihr einen leichten Eindruck davon bekommen wollte, wie absurd ein guter Lehrer sich verhalten muss.

Heute früh sass ich vor Ihm und stellte fest, dass in dieser Begegnung mit Ihm keinerlei Emotionen auftreten. Seltsam, doch das war mir vorher nicht bewusst. Es gibt kein Herzklopfen und keine Schmetterlinge. Nur diese unbewegte RUHE. Er sieht mich an, ich sehe Ihn an. Stille. Kein Wort. Keine Geste. Er sitzt einfach da, und ich rutsche in dieselbe Haltung, weil ich in die Spiegelung gehe, ganz automatisch. Diese Beziehung ist nicht magnetisch, es gibt keinerlei Anziehung. Es gibt keine karmischen Bänder, es gibt gar keine Bänder. Es IST. Das ist der Unterschied zu den karmischen selbsternannten „Dualseelen“, die ver–bunden sind und den vermeintlichen Herzmagneten bemühen müssen. Aus dieser Beziehung lässt sich für Ego nichts herausholen, es gibt nichts, woran Ego sich aufhängen könnte. Es ist nichts, nur Anwesenheit, kein einziges Leckerchen für den Verstand, keine prophetischen Durchsagen und keine kosmischen Symbole und keine Chakraturbulenzen. Nur STILLE.

Keine Ahnung, ob euch das alles weiterhilft. Die Idee war heute, den Film zu erwähnen.

 

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