Lernen am Modell – oder Cargo-Kult? Und eine Portion Nu Ätsch

(Vorsicht, erneut ein Jesus-Spoiler!)


Es gibt eine sehr simple Grundregel, die da lautet:

GOTT behandelt alle Menschen gleich – nämlich: individuell.

Insofern muss ein jeder von uns selbst für sich herauskristallisieren, wie er oder sie voran und letztlich nach Hause kommt. Es gibt nur einen einzigen WEG, doch jeder muss ihn basierend auf seinem persönlichen Lebensstil und seinen persönlich für ihn so gefügten Umständen und der individuellen Familienkonstellation AUF FÜR SICH EINZIGARTIGE WEISE gehen.

Die Esoterikfachabteilung macht daraus der Bequemlichkeit halber, dass es angeblich viele Wege gibt und daraus wiederum wird abgeleitet, dass niemand sich anstrengen müsse. Der Teufel reibt sich derweil die Hände. Natürlich hat dieselbe EFA den Teufel abgeschafft, weil sie aus jeder Religion das Bequemste herausgegriffen und zu einer neuen Religion namens Nu Ätsch zusammengerührt hat. So kann jeder sich lila Klamotten anziehen und entdecken, dass er schon fertig ist und sich jetzt nur noch entspannen muss.

Es gibt jetzt einen sog. E-Zeitschriftenkiosk. Das ist ja interessant! Ich staunte nicht schlecht, was ich dort alles fand. Eins der Blätter aus der Abteilung Esoterik heisst ich-mir-mein! und ein anderes Ich bin perfekt! und ein weiteres Nichts für euch, alles für mich! und schliesslich Ich lenke selbst! (Oder so ähnlich, na schaut einfach selbst. Mein Gedächtnis mag das etwas verwechselt haben.)

Ich habe dort neulich eine E-Zeitschrift der Esoterikfachabteilung entdeckt, die ich mir unbedingt von innen anschauen musste. Nach zwei Sätzen wusste ich, sie wird für den Rest meiner irdischen Berichterstattung als Beispiel dienen. Als ob alle meine schlimmsten Visionen Gestalt angenommen hatten! Schlaft weiter! Schaut fern! Gehorcht! Na, ihr kennt das ja aus dem Film.

Sie trägt einen amerikanisierten Titel (warum eigentlich?) und wirbt mit Mandalas und Zeugs auf den Titelseiten, insgesamt dasselbe an Themen und Gegenständen wie auf einer durchschnittlichen Esoterikmesse. Ich glaube, es war der obligatorische kleine Buddha in einer Ecke zu sehen, vielleicht verwechsle ich das jetzt aber auch mit dem Konkurrenzblatt, das jedoch aus derselben Mache stammt, natürlich, es gibt nicht so viele Zeitschriftenmogule auf der Erde. Es ist leicht variiert aufgemacht und sieht im Grossen und Ganzen dennoch genauso lilatürkisgoldenglitzermandala aus wie das eingangs erwähnte Blättchen.

Im Inneren gibt es etliche Doppelseiten redundanter Hochglanzfotografie, lila und golden und magisch-düster, dazu ein einziger kurzer Satz, der einen abgedroschenen esoterischen Inhalt transportiert. Magische Freiheit fängt im lila Himmel an! oder sowas in der Art, ich habs mir nicht im Einzelnen gemerkt. (Oh, ich kann das auch, vielleicht sollte ich mich dort bewerben??)

Es ist dasselbe Phänomen wie bei  den Kultblättern PELLE und VOGEL: gestellte Bilder, doppelseitig, so gut wie textfrei. Dürre Kindfrauen und verstrahlte Blicke. Was sagt das über die Zielgruppen dieser Magazine aus??? Können sie sich nicht auf lange Textteile konzentrieren? Wenn ich einen sagenhaften Himmel sehen will, in allen Schattierungen gefärbt, gucke ich aus dem Fenster oder gehe, noch besser, nach draussen an die frische Luft, dazu brauche ich keine Zeitschrift. Es sei denn, die angepeilte Leserin lebt in einer Höhle ohne Tageslicht. Wer weiss? Und warum eigentlich sind diese Blätter eindeutig auf Frauen ausgerichtet?

Zwischen den nichts-sagenden Buntseiten klemmen Artikel, die in der bewährten Manier suggerieren, dass der WEG auf Entspannung abzielt und darauf, dass frau dank Yogaturnübungen den Job viel besser überstehen kann. Nun wickelst du die Ellenbogenbeuge um die Knöchel… Lege das Kinn am Boden ab. Und jetzt wartest du, bis dein Seelenpartnerehemann kommt und entweder für dich umblättert oder den Arzt ruft. Zum Glück befinden sich zufällig in der Redaktion dieser Zeitschrift geborene Experten, die über spezielle Phänomene der Spiritualität aus eigener Erfahrung – angeblich – berichten werden. Doch erst in der nächsten Ausgabe. Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn Sie Dr. Bob sagen hören: ….

Es tauchen die üblichen Kassenmagnet-Bestsellerautoren darin auf, mit einem gestellten Foto von ihnen selbst mit wissendem Blick gen Weiteferne. Den Text drumherum hab ich mir gespart, ich weiss was drin steht. Sie beweisen mir nur eins: dass mit den esoterisch-beliebten Themen gut Reibach gemacht werden kann, wenn das richtig verkauft und vor allem vom richtigen Verlag gepusht wird. Kein Mensch auf dem WEG würde sich in so einem Blatt darstellen. Natürlich nicht.

Es mussten zudem die üblichen gesunden Kochrezepte hinein, wie einst in Feindin und Brrr-igitt-äh, die Programmierblättchen für Frauen, die wir in den 90ern verschlungen haben. Ich meine das beim Durchblättern gesehen zu haben, bin mir aber nicht mehr sicher, denn alles war gleich lilagoldenglitzer. Sassen die modelmässig aussehenden lochenhäuptigen Twens in Grösse 38 um den Tisch herum um ein Ouijaboard zu befragen, oder ging es um indisches Essen, oder um die lila Haremshosen und die goldenen Reifen am Knöchel? Ich weiss es nicht mehr.

Schliesslich wird noch eine Heilpraktikerin für Püschotherapie als Kekspertin herangezogen, die auf dem Passbild oben auf der Seite aussieht wie ein Strahler 80- Lorreallmoddel. Das verleiht dem Blatt den nötigen Anstrich medizinischer Seriosität, gemünzt auf den Leserinnenkreis. Einen Schulmediziner haben sie vorsichtshalber nicht dort hinein gelassen.

Es deuteten sich bei mir leichte Kopfschmerzen an, als ich es wieder wegklickte. Gruselig. Ja, dort werden die Trends gemacht, und die Massen unter(ge)halten. Keine eigenen Gedanken! Schlaft weiter! Natürlich muss es diese Blätter geben, denn es muss auf Erden alles geben. Doch muss jemand es auch lesen? Das entscheide bitte ein jeder von euch für sich selbst.

Exkurs Ende. Zurück zum Thema dieses Beitrags.

Heute las ich im täglichen Bibelspruch (ja, sowas studiere ich nebenher), dass GOTT Jesus über alle anderen gestellt habe. (Als Beipiel schon, doch mehr auch nicht.) Und dass es der Name „Jesus“ sei, den GOTT Ihm gegeben hat. Hat GOTT das getan, oder eher die römische Übersetzung? Mit welchem Namen hantieren die Katholiken -und andere – da herum? Und haben sie das je hinterfragt? „Jesus“ heisst sehr sicher nicht „Jesus“. Wie kann also jemand behaupten, dass nur durch diesen Namen Heil angezogen werden kann? Ich weiss nicht, was genau die lange Reihe der blutrünstigen alten Päpste hinter diese Buchstabenkombination hinterlegt hat, also lasse ich persönlich lieber die Finger davon. Jeder muss selbst wissen, womit er oder sie arbeitet.

Die Kombinationen der Lebensumstände und erlebten Erfahrungen ist für jeden von uns so einzigartig, dass es niemandem hilft, wenn einer von uns einen zweiten 1:1 kopiert. Diesen Fehler machen unbewusste Menschen. Sie lassen sich die Haare lang wachsen und ziehen sich Omis Gardine an und halten sich für Jesus. Doch GOTT braucht keinen zweiten „Jesus“, er will aus Ulrike und Stefan denselben Göttlichen Menschen herausschälen. (Namen spontan und grundlos gewählt.) Oder sie halten sich wie Ertrinkende 1:1 an die jeweilige Bibelübersetzung, ohne zu hinterfragen, wie oft der Text gestrichen, gekürzt, ergänzt und verändert worden ist.

Mir ist ja selbst im Kleinen schon Etliches begegnet: Menschen, die jedes Buch lesen, das ich gelesen habe (was natürlich Unfug ist, denn niemand weiss, was ich alles lese), Menschen, die sich meine Wortwahl angewöhnt haben statt eigenes zu sagen, Menschen, die meinen Platz einnehmen wollen in der trügerischen Hoffnung, dass sie dann dasselbe erleben wie ich. Niemals wird ER das zulassen.Wozu auch? Katrin ist nichts Besseres als Monika und Ferdinand. (s.o.).

Denn jeder muss selbst etwas erleben, und zwar etwas, was nur für ihn oder eben für sie bestimmt ist. Gebt eure Individualität niemals auf um andere Leute zu kopieren! Ein anderer kann (zeitlich) weiter vorangekommen sein als ihr und daher ALS BEISPIEL DIENEN. Doch denjenigen zu kopieren zeigt, dass ihr selbst noch nirgendwo seid. think!

Wer Jesus optisch nachahmt oder nur noch in Bibelsprüchen quatscht beweist lediglich, wie weit er von dem fern ist, was er darstellen will. Niemand kommt Ihm dadurch nahe, dass er Seinen Stil nachahmt. Im Rahmen des Cargo-Kults werden Kirchtürme und Weihnachtsraketenbäume aufgestellt, damit der grosse „Gott“ wieder hernieder kommen möge. Ich bete, dass ich an dem Tag, an dem diese Type** hier wieder aufschlägt nicht mehr hier unten bin.

**edit: Ich beziehe mich damit auf das AT und nicht das NT!

 

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