Was macht einen guten Lehrer aus?

Den folgenden Text bekam ich vor einigen Tagen, als ich mit der Präsenz meines LEHRERS befasst war. Er schrieb sich wieder einmal in einem Rutsch und ganz von selbst. Vielleicht kennt ihr einen guten lieben weisen Lehrer, dem ihr diesen Text noch rasch zu Weihnachten schenken wollt.

Geht los:

Lehrer werden kann nur der, der selbst einmal ein Schüler war, und zwar auf dem Gebiet, das er anderen nahe bringen möchte. Er muss das Thema selbst in Vollendung gemeistert haben, um anderen authentisch vermitteln zu können, wovon er spricht. Dabei spielt es keine Rolle, um welches Fachgebiet es sich im Einzelnen handelt. Immer ist nämlich das gesamte Leben des Lehrers davon betroffen, denn Meisterschaft betrifft immer den gesamten Menschen und alle seine Lebensbereiche.

Lehrer werden kann jeder, doch Lehrer sein kann nur der, der sein eigener Meister ist. Wer sein Leben nicht geordnet hat, das bedeutet nach dem Höchsten hin ausgerichtet, der lebt im Chaos und kann nur Chaos am anderen Menschen anrichten. Immer gibt er von sich selbst, und was hat einer zu geben, der sich selbst nicht kennt?

Was bedeutet es denn, etwas  zu bemeistern? Der Mensch muss sich so lange und gründlich an dem Thema gerieben haben, bis seine vielen Egoschichten sich abgeschliffen haben und er dem Thema rein und klar gegenüberstehen kann. Das heißt: Er muss sein Leben rein und klar leben. Dann erst ist er unverwundbar vor den Schülern, die ihn täglich verwunden werden. Das Thema ist sein Leben, das Leben sein Thema. Oder es wird niemals so sehr das Seine sein, dass er es erfolgreich weitergeben kann. Sein inneres Feuer muss überspringen und wie ein Funke im Schüler einen Flächenbrand entzünden.

Schüler sind noch keine Meister, sie spiegeln sich in ihrer Unvollkommenheit im Lehrer und müssen sich beständig an diesem messen, das ist die Natur der Schülerschaft. Wenn einer Lehrer wird, der sich selbst nicht bemeistert hat, so wird er sich verwunden lassen und wird gekränkt und daher krank werden. Er wird seine Egoansprüche auf die Schüler übertragen und ihnen kein reiner Spiegel sein. Wem dient er? Niemandem.

Ein Lehrer muss weder nett sein noch nachgiebig, damit ein Schüler ihn liebt. Er muss sich in sich selbst auskennen und dem Schüler gegenüber wahrhaftig auftreten, egal welcher Art er selbst ist und egal, was er verkörpert. Nur muss er authentisch sein in der Art, wie er auftritt, er muss sich selbst ausfüllen und nicht dem Schüler eine Maske hinhalten, die dieser sowieso durchschauen wird. Schüler wittern jede Schwäche und jede Lüge und werden den Lehrer, der nicht er selbst ist, nicht ernst nehmen, sie werden ihn auseinandernehmen.

In Indien gibt es Lehrer, die nennt man Gurus. Diese unterweisen und begleiten Schüler in spirituellen Belangen. Ein Guru muss zwei elementare Eigenschaften aufweisen: Demut und Hingabe. Demut vor dem Leben und somit vor allem, was er nicht weiß und was er nicht kontrollieren kann. Und zweitens vollständige Hingabe an das Höchste und daraufhin an seinen Schüler, der sein Daseinszweck ist: Ohne Schüler braucht niemand einen Lehrer. Wer dies vergisst und sich über die Schüler stellt, ist kein Lehrer, sondern ein Diktator, ein selbstbezogenes Ego, das nur Schaden anrichten kann.

Schüler sind Seelen: Diese müssen geehrt werden. Ein groß-artiger Lehrer ist der, der sich selbst für Gott hält. Ein wahrhaft großer Lehrer jedoch ist der, der sich entkleidet und allen anderen die Füße wäscht. Der größte LEHRER von allen hat dies gezeigt, damit wir es nie mehr vergessen. Ein Segen für die Menschen ist der, der es IHM gleich tut.

2018