Eltern und erwachsene Kinder – wo endet der Gehorsam?

Menschen, die nicht auf dem WEG sind, haben es im Leben (vordergründig betrachtet) leichter. Es gibt für sie innerhalb ihrer engen Strukturen genaue Regeln, wie Situationen zu handhaben sind: „Was man tut.“ bzw. „Das tut man nicht.“ Wer ist eigentlich man?

Die gesellschaftlichen Zwänge und die durch Erziehung und elterliches Vormachen aufgezwungenen familiären Vorschriften nehmen den unbewusst lebenden Menschen alle Entscheidungen ab. Egal, ob es um die Feierlichkeiten rund um Weihnachten geht oder um so etwas Unwichtiges wie die Kleidungsauswahl anlässlich einer Hochzeit den angeheirateten Schwager zehnten Grades des adoptierten Neffens der Grosstante der Schwägerin der Braut betreffend.

Nehmen wir als Beispiel folgenden Fall: Die ältlichen Eltern eines Mannes mittleren Alters leben weit weg in einer 800 km entfernten Stadt. Sie besuchen sich einmal im Jahr im Sommer zum Geburtstag der beiden, der in dieselbe Woche fällt. D.h. immer muss der Sohn anreisen. Und voila: Der Vater erkrankt schwer, kommt ins Krankenhaus, es ist wenige Tage vor Weihnachten. Frage: Was wird der Sohn tun?

Ist doch klar, denken manche von euch nun, hinfahren. Wer weiss, ob er ihn nochmal lebend sieht! Und das vor Weihnachten! Eine Familie muss an Weihnachten doch zusammen sein, wollte der Junge denn nicht sowieso hinfahren? Ist ja ungeheurlich!

Doch so einfach ist das nicht, wenn wir aus Sicht der WAHRHEIT darauf gucken. Wir wissen nicht, warum der Vater ausgerechnet so kurz vor Weihnachten er-krankt ist. Würde er seinen Sohn gerne sehen und will ihn unbewusst auf diese Weise zu sich zwingen? Oder hat der Sohn angekündigt, Weihnachten mit seiner neuen Freundin zu verbringen und sind die Eltern eifersüchtig? Haben die Eltern ein Eheproblem, das sich auf diese Weise nun zum Fest der „Liebe“ nach aussen manifestiert – und es ist gut so, dass der Sohn nicht dabei ist und die Ent-wicklung stört? Wir wissen es nicht. Daher kann nur einer diese Entscheidung treffen: der Sohn selbst. Niemand von uns könnte ihm einen Rat geben. Das einzige, was wir tun könnten, wäre, ihm zu berichten, was wir über Göttliche Entscheidungsfindung durch eigene Erfahrung gelernt haben.

Nehmen wir daher weiterhin an, der Sohn ist auf dem WEG und lebt sein Leben in der Weise, dass er sich in allem nach GOTT richten will. Denn es ist sonnenklar: GOTT kennt die Antwort, so wie ER alle Antworten kennt, weil GOTT alle Leben und alle Seelen und alle Beziehungen aller Beteiligten kennt, und ER hat mit einem jeden etwas vor. Daher tut der Sohn am besten daran, GOTT die Entscheidung zu überlassen, oder nicht? Wie jedoch kann der Sohn wissen, was GOTT in diesem akuten Fall von ihm will?

Jesus hat – wenn wir die Geschichten aus der Bibel als authentisch voraussetzen, sich beileibe nicht an irgendwelche Regeln der Gesellschaft gehalten, um Sachlagen zu lösen. Wenn wir Jesus aufgrund esoterischer Korrektheit aussen vor lassen, wissen wir immer noch, dass der CHRISTUS in uns die Lösung kennt. Das ist der Funken GOTTES, der bis in den Menschen hinabreicht und den Menschen von innen heraus lenkt und heilt. Sofern das Verstandesego sich nicht den gesellschaftlichen Zwängen unhinterfragt unterordnet und IHN nicht zu Wort kommen lässt…

Natürlich ist es weitaus schwieriger für mich, eine FREIE Entscheidung zu treffen, aufgrund des Impulses, den GOTT mir gibt. Ich werde womöglich anecken, wenn ich SEINEN unkonventionellen Methoden folge. Ich werde den anderen Leuten vielleicht als kaltblütig erscheinen, als egoistisch, wobei ich das doch in dem Moment gerade überhaupt gar nicht bin. Das muss alles aussen vor gelassen werden. Niemals, niemals, niemals darfst du deine Entscheidung von einem anderen Menschen abhängig machen. Niemals. Schreib dir das hinter die Ohren. GOTT muss der Grund sein, und niemand sonst. Das ist nicht gerade das, was uns in Kindertagen beigebracht wird.

Einzige Ausnahme, das betone ich immer wieder, sind uns von GOTT anvertraute Kinder, die von uns abhängig sind. Ich rede hier von Erwachsenen unter sich.

Ich schrieb neulich bereits, dass das Kennzeichen für eine richtige Entscheidung das Wahrnehmen des Göttlichen FRIEDENS und der innersten FREUDE ist. Spiele die Varianten durch, jede deiner Optionen, und FÜHLE, FÜHLE, FÜHLE. Sei ehrlich und ungeschminkt, ER sieht sowieso hinter deine Fassade. Sag GOTT ehrlich, dass du ein undankbares Kind bist und die Eltern NICHT besuchen willst. Oder dass du es zwar willst, doch weisst, wie das wieder endet. Sprich deutlich und wahr. Ohne an die Konsequenzen zu denken. Es ist erst einmal eine Sache nur zwischen IHM und dir. Und deine Antwort wird deutlich und wahr ausfallen.

Der Sohn in unserem Beispiel will nicht zu seinen Eltern fahren und er tut es auch nicht. Zuerst erschrickt er ganz massiv, als ihm das selbst klar wird, weil er sich wie ein Rabensohn vorkommt. Doch dann schaut er auf den CHRISTUS und weiss plötzlich aus seinem Innersten heraus, was er zu tun hat. Er telefoniert mit den beiden und spricht ehrlich zu ihnen (er ist dabei nass geschwitzt), und oh Wunder, die Mutter hat Verständnis und ist sehr klar. Dies ist eine neue Erfahrung für Sohnimann, die er bisher immer vermieden hatte. Sie beschliessen, täglich via Telefon und Skype in Verbindung zu treten. Der Sohn erfährt eine Menge über die Eltern, es werden Dinge besprochen, die bisher Tabu waren. Wenn er im Frühjahr hinfährt, wird es ein freudiges Besuchen sein. Bis dahin arbeiten die Eltern an ihren Themen. Und der Sohn erlebt eine ganz neue FREIHEIT und lernt, oh Wunder, mit 32 die erste Freundin kennen, da nicht mehr die Eltern (die Mutter) den Platz an seiner Seite besetzt halten. Im Frühjahr wird er sie mit zu seinen Eltern nehmen und sie ihnen freudig vorstellen.

In einer anderen Familie hätten die Eltern vielleicht wütend und beleidigt den Kontakt abgebrochen, wenn der Sohn ehrlich zu ihnen gesprochen hätte. Sie würden dann nicht den Sohn wollen, wie er ist, sondern einen Sohn aus ihrer Ego-Vorstellung. Auch in diesem Fall würde der Sohn – und ebenso die Eltern – durch die Entscheidung frei, doch auf sehr unsanfte Weise. Auch das ist richtig, wenn die Entscheidung des Sohnes von INNEN heraus getroffen wurde.

Die Grundregel des CHRISTUS ist eine einzige und eine sehr einfache:

Es wird beendet und vollendet, was nicht vollkommen war.

In beiden Fällen findet Entwicklung statt. Doch es wird auf jeden Fall stattfinden, sanft und freiwillig oder unsanft und unfreiwillig.

Schönen Advent, liebe Liebenden!

 

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