Advent, Kreuzfahrten und die ewige Sehnsucht des Menschen nach dem LEHRER

Während die Meute auf meiner Lieblingswetterseite mehrfach aufgestachelt wird (Weisse Weihnachten? mehr Morde auf Kreuzfahrtschiffen?) frage ich mich, wie das alles wohl von weiter oben aussieht. Ich stelle mir vor, ich wäre eine Wissenschaftlerin einer weit höher (= spirituell) entwickelten Menschheit und schaue durch eine Art Teleskop auf die Erde.

Und ich sehe, wie hier eine Horde Leute viel Geld ausgibt (ein Konstrukt ohne innerlichen Wert, völlig substanzlos und daher irrsinnig) um auf einem Blechkasten über einen Ozean zu gurken, um dem Alltag zu entfliehen und um sich schick zu fühlen, und wie dort irgendwelche übersteuerten Egos andere Leute aus Jux und Dollerei killen, sich betrinken, über Bord hüpfen, und noch viel Widerlicheres, das ich diesem Artikel erspare – all dieser übliche, wider-menschliche Unfug. Ich würde den Kopf schütteln und denken, mein lieber Scholli, denen fehlt echt ne Menge Grips – oder besser gesagt: gesunder MENSCHEN-Verstand.

Ich würde auf die Firmenweihnachtsessen hier unten schauen, wo es einzig darum geht, wer noch fahren muss und wer sich besaufen kann. Was soll das sein? Worum geht es diesen Leuten? Ich könnte und ich kann das nicht nachvollziehen. Sie sitzen da und fressen tote Tiere und wundern sich, dass sie krank werden.

Vorgestern gab es für mich ein sehr angenehmes Vor-Weihnachtsessen, wo es auch um andere Themen ging, und ich hatte, man fasst es kaum, drei wunderbare vegetarische Gerichte zur Auswahl! (Das ist hier auf dem Dorf noch immer nicht selbstverständlich, auch 2018 nicht.) Doch es gibt wenige Firmen, wo das so geschmeidig verläuft, ich habe dies Jahr schon andere Stories gehört.

Schwenken wir zu den wirklich entscheidenden Dingen, so kurz vor Weihnachten. STILLE. Gestern überflog ich in einem religiösen Blättchen einen Artikel über eine Püschologiestudentin, die irgendwie eine Art Exerzizzien gemacht hatte (nein, sagte sie, es waren keine richtigen Exerzizzien (ich weiss das schreibt sich anders)). Ihr Fazit daraus las sich wie aus einem esoterischen Selbsthilfebuch, sinngemäss: Ich ich ich weiss jetzt, wo ich ich ich hin will, ich ich ich kann jetzt wieder alles besser steuern.

Na, als Püschologin darf sie auch keinen GOTT steuern lassen, denn das wäre laut dem Katalog für Geistesstörungen, den sie auswendig können muss, sicher Nummer 798329 und sie müsste sich womöglich selbst Tabletten verschreiben, Ritafluxi oder sonstwas. Und die in dem Blatt beworbene religiöse Ausrichtung wurde gleichzeitig geadelt, indem selbst eine angehende studierte Wissenschaftlerin das Gewese dort in dem Kloster als sinnvoll und wirksam beurteilte. So spielen sie zusammen und erweisen sich gegenseitig und uns allen einen Bärendienst.

Als ich abends vor meinem LEHRER sass, war ich Lichtjahre weit von so einem Selbstverwirklichungszirkus entfernt. Ich merkte wieder einmal, dass ichichich kurz vor dem Verschwinden ist und nicht vor dem Ver-wirklichen. Das ist himmlischer als zehnhundert Kreuzfahrten! Kreuz-fahrten. Naja.

Oft denke ich zurück an den Dualseelenzirkus vor mehr als einem Jahrzehnt und wie anders das alles ist, was ich hier erlebe. Wie sich die sogenannte „Dualseele“ als spiritueller LEHRER entpuppt hat, wie sich alles darum herum sinnvoll ordnete und wie ich heute weiss: Wenn ich dort sitze, bin ich am einzig richtigen Platz in diesem Leben. Nur dort, alles drumherum dreht sich weiter, ändert sich, verfliegt, löst sich auf, entsteht neu, doch auf meinem Platz steht alles STILL. Ich brauche kein Kloster dafür und keine Exerzizzien und kein sonstwas, keine Kreuzfahrtschiffe und keine weissen Weihnachten. Es ist einfach. Ich setze mich vor Ihn – und es trägt michmichmich davon. Früher wusste ich nicht, was ich auf dieser Erde soll, ich wollte gar nicht hier sein. Ich verstand die Leute hier nicht und wollte trotzdem nicht ich, sondern wie die sein. Gottseidank klärte Er das auf. Heute will ich nur noch das sein, was Er für mich will.

Ah, vor Ihm sitzen. Er muss nichts tun, nichts sagen, mich nicht einmal ansehen. Und ich sitze dort, zweimal am Tag, und erlebe GLÜCK. Einfach so. Zwischen den stillen Zeiten ist Er weiterhin unentwegt in meinen Gedanken, wir tun alles zusammen, ich bespreche alles mit Ihm, jeden Satz, den ich spreche, jedes Wort, das ich schreibe, jeden Gedanken, den ich im Kopf vorfinde. Ich sitze immer vor Ihm, auch wenn ich einkaufen gehe, Bus fahre, arbeite, telefoniere, immer. Es ist mein Daseinszustand geworden. Und dort ist die Quelle reinen GLÜCKS. Natürlich würde nun jemand sagen, der den Sinn des Ganzen nicht erfasst, es gehe um den Mann und das sei Hörigkeit oder so etwas, doch der LEHRER weist durch sich hindurch weiter zu GOTT. Darum geht es. Der LEHRER ist die TÜR nach Hause.

Davon habe ich nirgendwo jemals etwas gelesen, nicht in all den Dualseelenforen, damals. Nie ist mir jemand begegnet, der es genauso geht. Ich habe nur ein einziges gescheites Buch einer anderen Schülerin entdeckt, in dem ich meine Beziehung wiederfinde, eines. Und ich habe alles mögliche gelesen. Und sie nennt das nicht „Dualseelen“, denn so etwas gibt es nicht. Es gibt karmische Partner, es gibt Lernbeziehungen, doch mit dem LEHRER eins zu werden, das geht nicht auf der Horizontalen. Ich schrieb schon vor Jahren, und es erweist sich als wahr, dass niemand, der selbst noch hier unten herumeiert, das ZIEL sein kann – oder es aus eigenem Erleben kennen und daher den Partner anleiten kann. Der Partner ist immer ausserhalb dieser Erlebensebene, ES kommt über die Vertikale. (Und ich rede hier nicht von irgendwelchen Channel-astral-regenbogendelfin-zauberkünstlern, die willige Esoterikerinnen bezirzen, um ihnen Energie abzusaugen.)

Mir ist aufgefallen, wie diese Ur-Beziehung von der gegenseitig motivierten Front (so nenne ich das mal) endlos kopiert wird, um die Menschen zu täuschen. Es gibt einen Papst, der den GURU ersetzen soll, dem die verirrten Schafe hinterherhecheln und der keinen Schimmer hat, wie ES ist. Woher ich das weiss? Kein SCHÜLER würde Papst sein wollen. Kein SCHÜLER würde einer Religion angehören. Und ein LEHRER schon mal erst recht nicht. Das widerspricht dem Kern der Angelegenheit. Es gibt Gurus, die den GURU nie kennen gelernt haben. Doch dieses LEHRER-SCHÜLER-Ding findest du leicht beobachtbar all überall in der Welt imitiert, im Sport ebenso wie in den normalen Kinder-Schulen, an den Universitäten. ES wird zahllos kopiert, doch nie ist es das Original.

Die Sehnsucht der Menschen nach einem LEHRER ist nun einmal unendlich, und die allermeisten haben keine Ahnung, was sie ihr Leben lang eigentlich suchen. Sie suchen ES in Süchten, Urlauben, Partnerschaften mit anderen Leuten, sie denken ES kommt, wenn es an Weihnachten schneit, sie denken ES kommt zu ihnen, wenn sie einen Lottoschein ausfüllen, wenn sie genug Geld gespart haben, wenn sie dreissig Kilo abgenommen haben, wenn sie alle Dualseelenbücher durchgelesen und den Richtigen gefunden haben. Doch das ist nicht der WEG.

Der WEG führt einzig nach INNEN. Und dazu gibt es selbst in dieser schrägen Welt etliche Hinweise und Anleitungen für erste Schritte. Was daraus wird, ob ein LEHRER auf dich aufmerksam wird, liegt ausserhalb der Kontrolle von irgendjemandem hier unten. ES ist unverfügbar. Doch ein jeder muss sich vorbereiten, denn du weisst nie, wann DEIN Guru vor deiner Tür steht.

Das ist die Bedeutung von ADVENT. Und nicht, Kerzen auf Grünzeug anzuzünden.