Zeige mir deinen Mann – und ich sage dir, wer du bist (oder noch nicht bist)

Dieser Artikel seziert den Spielfilm „SMS für dich“. Wer ihn noch nicht gesehen hat, muss ihn sich vorher anschauen, um zu verstehen, was ich beschreibe. Wer den Artikel gelesen hat, wird sich nicht mehr romantisch von der Handlung einlullen lassen können und daher sei vorab gewarnt. Geht los:


Gestern abend hab ich den o.g. Spielfilm angeschaut. Er bedient eine Menge Egoprogramme, und am Ende flockt es die obligatorischen Romantic-Schneeflocken aus dem Schneeautomaten der Filmemacher. Erste Reaktion: ui wie tööön! (Zu meiner Verteidigung muss ich sagen: Ich war gestern kampfunfähig mit Kopfweh und reichlich bewölkt vom Ibuprofen.) Heute früh wachte ich auf und wusste: Was war denn das für ein Bullshitfilm? Da er sich um das Kennenlernen eines wichtigen Spiegelpartners dreht, ist er jedoch sehr lehrreich und aufschlussreich für uns.

In dem Streifen sieht man eine verwitwete Verlobte, die aussieht als wäre sie etwa 15: rothaarig, viel zu dürr, schneeweisse Beinchen (diese Unterwäscheszene wird mich noch wochenlang unschön verfolgen), kurzum: bemitleidenswert. Als Erwachsene möchte frau ihr ein Butterbrot schmieren, damit sie zu Kräften kommt. Durchsichtig wirkt diese Kindfrau (!), zerbrechlich, unselbständig. Und genau das ist gewollt.

Denn unser Held ist überhaupt nicht erwachsen und könnte mehr nicht vertragen… Die beiden passten in ihrer Wirkung überhaupt nicht zusammen, er wirkte zehn Jahre älter als sie und sehr eitel, und ich wunderte mich, dass die Partner so miserabel ausgewählt worden waren. Doch es ergab, natürlich, im Zusammenhang des Films seinen Sinn. Seine Eitelkeit wurde auch nicht durch das betonte Tragen einer albernen roten Pudelmütze verschleiert, es machte aus ihm lediglich einen noch grösseren Idioten. Das sollte romantisch sein, ich weiss, im Winter mit bunten Lämpchen auf dem Balkon und so. Sie schläft ein und … dazu später mehr.

Als der Film beginnt, hat er noch eine sehr dominante Partnerin vor der Nase, die mit ihm in die Nähe einer KiTa ziehen will. Da gehen Burschis Alarmglocken auf dunkelrot! Sein Ego schaltet um auf: will nicht, zu gefährlich, wir suchen was Einfacheres. Und schon ist er verliebungsbereit. Und siehe da, Püppi erscheint per SMS an ihren toten Verlobten in seinem Leben, weil er die Handynummer des erst vor 2 Jahren Verblichenen bekommen hat, na so ein Zufall. Ok, der Zuschauer verzeiht diesen Irrsinn und ist bereits weichgeklopft von den grossen runden erschrockenen Rehaugen der Protagonistin, die uns noch den Rest des Filmes wie Mahnmale verfolgen werden. Denn das kann sie am besten: erschrocken und rehmässig verschreckt in die grosse böse Welt gucken.

Der Held erkennt sofort das ihm willkommene Beuteschema und „ver-liebt“ sich in seine Rehfrau. Es folgen Szenen, wo er sie beschützen wird, weil sie nicht für sich selbst sprechen kann (als er megazornig einen alten Bekannten abwehrt, der einfach nur mit dem roten Reh gesprochen hat). Sie drückt Papi zum Dank einen Kuss auf die Wange, ich glaube, sie musste sich auf die Zehenspitzen stellen. Daddy-O hat es für sie gemännätscht. Als sie auf dem Balkon einschläft, trägt er sie ins Bett wie der bereits erwähnte perfekte Papi und flätscht sich daraufhin artig auf die Couch. Die Zuschauerin weiss: von dem ist kein Übergriff zu befürchten. Das macht ihn für Frauen attraktiv, die keinen erwachsenen Mann vertragen können, der gleichermassen einen Anspruch an ihr Frausein stellen würde.

Unser Burschi findet Rehchen jedoch sehr begehrenswert, denn mit ihr kann er albernen Spass haben und nachts Mirabellen futtern und all sowas. Sie kichert um ihn herum und hat das Lenkrad-des-Verblichenen-Beknutschen rasch vergessen. Es blieb mir schleierhaft, wie sie so zwischen Trauma und Sexwunsch hin und herspringen konnte, doch sie konnte. Da zeigt sich, was ein Trauma aus einem Menschen macht: eine gespaltene Persönlichkeit.

Es endet in tanzenden Schneeflocken, als sie ihm an den Hals springt wie ein Vöglein auf Futtersuche.

Es stellen sich Anschlussfragen, die ein Programmierungsfilm natürlich nicht beantworten wird:

Was passiert, wenn sie eines Tages Mutter werden will und der Held dadurch erneut mit seiner unerlösten Mutterproblematik konfrontiert wird? Wenn aus dem scheuen hilflosen Rehlein aus irgendwelchen Gründen doch noch eine erwachsene Frau wird, die Ansprüche an seine eigene Entwicklung stellt? Solche Typen wie er kaufen sich mit 40 ein Motorrad und werden sich eine junge Frau suchen, nebenbei versteht sich, mit der sie weiter nachts Mirabellen futtern können, während Mutti ihm die Kinder vom Hals hält.

Das Schicksal hat Rehlein den Verlobten genommen, damit sie aus ihrem Vaterkomplex herauskommt, doch sie sucht sich rasch einen neuen Daddy. Gruselig. Zwei Jahre hat sie es allein ausgehalten, für Menschen in der programmierten Realität ist das eine halbe Ewigkeit. Der Zuschauer bekommt schon Angstbeklemmungen, weil es schon so lange dauert und es kann sein, dass sie nie mehr einen abbekommt. Nicht wahr?

Er hat gar keine Pause gemacht zwischen zwei Spielfreundinnen, wozu auch? Er musste sich ja nicht um ein Problem kümmern, denn er ist einfach vor dem Thema geflohen und liess die erste Dame sitzen (die ruckzuck mit dem nächsten zusammenzog, wie man an den Umzugskisten später im Film sehen konnte). Diese erste Frau hat ebenfalls nicht an ihrem Dominanzanspruch gearbeitet. Ihr hätte etwas mehr Frausein gut gestanden, ihr innerer Mann (Planer, Bestimmer, Ausführer, Redner) war vorherrschend. Doch sie hat weitergemacht wie bisher. Was mag sie für einen neuen Partner geangelt haben? Einen kleinen Jungen, natürlich, der eine starke Mami braucht. Leider erfahren wir nicht, wie das weiterging.

Obendrein wird die ganze Geschichte umrahmt von der klischeehaften Vorzeigeesoterikerin, die ganz offensichtlich einen an der Klatsche hat und davon faselt, wie schön es doch sei, wenn sich die Kreise schliessen. Dass sich da gar nichts geschlossen hat, haben wir in der obigen Analyse deutlich gesehen. Doch welcher Esoteriker erwartet schon innere Arbeit? Er müsse erst ein Mann werden, orakelt sie, und dazu gibt sie ihm einen Bergkristall in die Hand, den er in die Tasche steckt und vergisst. Er wurde nur leider bis zum Ende des Films kein Mann, was die Dame offenbar nicht gemerkt hat, da sie zu sehr um sich selbst kreiste und um ihre Orakelfähigkeit. Was der Bergkristall nun getan hat, wird für immer ihr Geheimnis bleiben.

So zeigt uns der Film vorprogrammierte Katastrophen. Unerlöste Egos, die Bäumchenwechseldich spielen, um ihrer Entwicklung zu entgehen. Abgesegnet von der als Esoterikerin verkleideten rothaarigen Hexe. Hallelujah.

Ich habe nicht ein einziges Mal das Wort GOTT gehört. Aber angeblich wurde aus Rehlein am Ende ein Schmetterling, der für Wiederauferstehung steht. Den Zusammenhang habe ich leider nicht begriffen.

Nun zur Wirklichkeit, beyond der illusionären Realität.

Ich kann wie immer nur von meinem Leben schreiben, und ich erlebe nach Katastrophen wie den oben beschriebenen ein nun schon 12 Jahre währendes anstrengendes Kennenlernen mit meinem Göttlichen Partner, und es wurden und werden dabei alle oben beschriebenen und noch mehr Standardprogramme der Egos ausgehebelt. Er gibt sich nicht mit Rehblick und Hilflosigkeiten zufrieden, und Er bringt mir bei, mich ebenfalls nicht mit einem unreifen Kindsmann zufrieden zu geben. Daher dauert das Kennenlernen nicht zwei Tage oder zwei Wochen wie im Film, sondern es dauert Jahrzehnte, ein ganzes Leben lang quasi.

Wie bereits erläutert, geht es im Leben und in der spirituellen Entwicklung darum, das innere Königspaar zu entwickeln, das in jedem Menschen INNEN vorhanden ist. Der Partner muss das spiegeln, um wahrer Partner zu sein, d.h. auch er muss beides in sich vervollkommnet haben. Sonst ist eine Einung unmöglich. Und diese Einung ist = LIEBE. Alles andere ist nur Liebe, klein geschrieben, die noch Suche ist und noch Ent-wicklung erfordert.

11:11 bedeutet, zwei Elfer stehen sich eines Tages gegenüber, und nichts anderes ist anzustreben. Warum sich mit weniger zufriedengeben, meine Damen, meine Herren?

Der sagenumwobene wahre Partner setzt innere Ganzheit voraus, und wer nicht an sich arbeitet, erlebt Szenen wie in dem beschriebenen Film. Schneeflocken sind spätestens im Frühjahr verschwunden. Es wird diesen Menschen immer etwas fehlen, und sie werden es lebenslang suchen, vielleicht in fremden Betten oder im Alkohol oder Südseeurlauben, Arbeitswut, Karriereeifer, Klamottenkaufsucht, wasauchimmer.

Ich kenne beides, ich kenne den Unterschied. Die Suche endete abrupt als ich IHM gegenübertrat.

Eine Beziehung, die auf Traumaarbeitvermeidung gründet, ist zum Scheitern verurteilt. Eine Beziehung, die eine Grundlage (und somit gleichzeitig ein gemeinsames Ziel) jenseits ihrer selbst hat, wird Bestand haben. Ohne GOTT ist eine Beziehung nichts. (Und wir reden hier nicht von christlich-religiös-vernebelten Traumavermeidern, die gibt es natürlich zu Hauf.)

Wenn dieses gemeinsame Ziel innerhalb dieser Welt auf der Horizontalen liegt, wird diese Beziehung niemals hier hinaus führen. Ein jeder möge für sich selbst entscheiden, was ihm oder ihr genug ist.