Telefonate über Dritte

Neulich fiel mir auf, dass eine Freundin am Telefon sehr ausführlich über eine dritte Person sprach, bis ins kleinste Detail.  So, wie sie es die letzten 10 Male auch schon getan hatte. Sie hat diese andere Frau sehr genau im Blick. Nach dem Telefonat fühlte ich mich wie mit Unrat beschmissen. Und wusste nicht eine Silbe mehr als vor dem, wie es meiner Freundin geht. Heute wurde mir das sehr klar, und ich dachte: Wenn ich etwas über die dritte Person wissen will, rufe ich diese selbst an, oder nicht? Hm, dachte ich, ich hätte sie nach ihrem Befinden fragen müssen. Vielleicht. Doch sie mauert und vielleicht hätte sie es abgeblockt (sehr wahrscheinlich, wie ich sie kenne). Das sind die Momente, sicher kennst du sie, wo dann nichtssagende All-gemein-plätze aufgefahren werden, a la: Ja also, etwas über mich? Nun, ich habe also Kekse gebacken und die sind ohne Zimt, denn das mag ich nicht, und gestern habe ich die Wohnung geputzt. Darin kommt zwar viel „ich“ vor, doch kein Wort über das Befinden des Menschen, seine Gefühle, Eindrücke, Erkenntnisse ÜBER SEIN EIGENES LEBEN. Und alles andere ist irrelevant.

Was sie eigentlich abblocken, bist nicht du. Es ist GOTT. Sie wollen nicht, dass ER ihre Gefühle sieht, ihre Wut und ihren Hass auf IHN, weil ihr Leben nicht nach Egos Willen verläuft. Sie haben Neid in sich und eine Überportion Angst. Menschen, die sicher sind,wie GOTT zu ihnen steht, können ihre Gefühle bedenkenlos offenlegen. Sie sind stark, weil sie nicht mehr mauern müssen.

– Hinweis: Natürlich macht es, von allem anderen einmal abgesehen, keinen Sinn, einem jeden, den du nun am Telefon oder wo auch immer triffst, deine LIEBE zu beschreiben, deine Sehnsucht, deine Erlebnisse mit IHM. Sie würden nur noch höher mauern. Denn dies womöglich selbst erleben zu können ist es ja gerade, was ihnen diese Riesenangst einjagt. –

Ich weiss nicht, wie so etwas zu lösen ist. Individuell muss das vielleicht unterschiedlich gelöst werden. Je mehr du selbst es „richtig“ machst, und die andere Person mauert umso mehr weiter, desto mehr wirst du das Gefälle wahrnehmen, das dadurch entsteht. Dennoch kannst du nur dein eigenes Kommunikationsverhalten anschauen und ggf. anpassen.

Dieser Tage erinnere ich mich an die letzten Weihnachtsfeste in einer grösseren Runde, wo ausschliesslich über Dritte und höchstens noch über Gemein-Plätze und Urlaubsreisen geplaudert wurde. Wo die Erwähnung des CHRISTUS schiefe Blicke provoziert hätte (und das an Weihnachten), wo vehement über andere, nicht Anwesende gelästert wurde, damit bloss niemand auf die Idee käme, die Risse in der Fassade der Anwesenden zu bemerken. Ich bemerkte sie, sprach es an, und das Resultat ist, dass ich für dies Jahr nicht mehr eingeladen wurde. (Auch wäre ich nicht mehr hingegangen, es passt also perfekt. grins)

Ich erlebe täglich Busfahrten mit vollbesetzten Plätzen, erlebe also 50 oder wie viele Menschen, die sich eisern anschweigen. Was geht da schief? Ich habe überall meine Leutchen und habe daher bei jeder Busfahrt jemanden dort, den ich kenne und mit dem ich rede. Auch lerne ich jedes Mal neue Leute kennen, vielleicht weil ER auf meine Stirn geschrieben hat: Bitte ansprechen, ich warte!  Es macht viel mehr Freude, selbst wenn es nur zu Blicken quer über die Menschenmenge hinweg reicht. Gesehen zu werden, das ist es, was jeder sich wünscht. Ist es nicht so?

Wie kann es sein, dass sich Menschen, die einen Planeten teilen, auf engstem Raum mit demselben Reiseziel anschweigen wie Fremde?