Mit oder ohne Geld? Der Übersättigung den Rücken kehren

Wenn mensch noch in der Esoterikfachabteilung unterwegs ist und mit ihren Programmierungen gefüttert wird, glaubt er oder sie, und so war es bei mir denn auch, weil ich all die tollen Bücher über Materialismus gelesen hatte, die dort verkauft werden, glaubt er oder sie also, dass höhere Spiritualität in finanzieller Sorglosigkeit mündet. Sie koppeln alles an materiellen Reichtum, an das HABEN, labern um die andere Ecke herum natürlich aber von der immensen Wichtigkeit des SEINS und machen schicke Körperverrenkungen, weil das sehr spirituell ist und den Energiekörper glättet. Oh Mann.

Im Folgenden schreibe ich wieder einmal über den CHRISTUS und weise zum hundertsten Mal darauf hin, dass dieser nichts mit der Gallionsfigur der christlichen Kirchen zu tun hat, weit gefehlt. Ich meine den CHRISTUS wie ER in den Büchern von Benner und Ruby Nelson beschrieben ist.

Wenn du es mit dem (echten) CHRISTUS zu tun bekommst, erlebst du die Wirklichkeit. Je weiter du mit IHM vorangehst, desto grösser wird in der Tat deine Sorglosigkeit, doch diesmal ist es eine echte Sorg-Losigkeit, die unabhängig von finanziellem Reichtum ist.

Wenn ich mein Leben anschaue, erlebe ich derzeit den höchsten materiellen Wohlstand seit Ende meiner irdischen Ehe vor tausend Jahren. Und doch würde niemand, den ich kenne, mit mir tauschen, denn sie alle „haben weitaus mehr“ – haben Häuser oder grosse Wohnungen, Fliesen im Badezimmer statt Plastikrollboden, haben Gärten und Autos und viele Möbel und teure Küchen und Lederhandtäschkes und jeden Monat die fette Kohle frei zum Ausgeben. Sie kaufen Braten und noch mehr Braten und gehen essen und saufen und geben viel Geld aus für ihre Freizeitaktivitäten, kaufen tausend-Euro-Fahrräder mit und ohne Motoren. Sie holen für jeden Mist Handwerker ins Haus und bauen sich Wintergärten und ebenerdige Duschen mit Regenduschköpfen mit Beleuchtung und beheizbaren Handtuchstangen.

Exkurs: Neulich schwärmte mir jemand, der in Kohle förmlich schwimmt, stolz von seinem neu gemachten Badezimmer vor. Er habe jetzt den Luxus, man stelle sich das vor, dass er, wenn er aus der Wanne steigt, sofort den Griff an ein von der Heizung gewärmtes Handtuch habe, wohingegen er doch früher quer durch das grosse Badezimmer laufen musste. Ich dachte an mein 2 qm-Bad und dass bei uns die Heizung ebenfalls direkt neben der Wanne ist, weil alles direkt nebeneinander ist bei uns. Und fragte mich, wo er nun das grosse Ereignis hatte? Ich erkannte, in welchem Luxus ich lebe und grinste in mich hinein. Mister GOTT ist ein humoriger Fuchs.

Die Leute, die meine Umstände kennen, schauen auf mich hinunter und bemitleiden mich und geben mir Tipps, wie ich es verbessern kann. Die Wirklichkeit sieht wie immer anders aus. Ich würde mit keinem von ihnen tauschen und habe schon manches Mal festgestellt, dass überschüssiges Geld sich anfühlt wie wenn man zuviel gefressen hat – unangenehm satt, nicht leicht, nicht frei.

Nun leben wir IN der Welt, wie es uns aufgetragen wurde, und in der Welt und mit einem Kind gehört eine gründliche Bodenhaftung dazu. Wie gesagt, dies ist relativ, andere würden jeden Morgen schweissgebadet wach, wenn sie in meinen Lebensumständen aufwachen müssten.

Die Kunst ist, das alles nicht zu brauchen. Sich keine Sorgen zu machen (denn niemand ausser dir macht sie für dich) und das Gefühl zu kennen, wie es sich ohne materiellen Luxus anfühlt und dies nie zu vergessen – nicht, weil es eine Horrrorzeit gewesen wäre, sondern weil es ein ganz anderes Lebensgefühl war, sehr wichtig, und ein stets sehr wichtiger Vergleichspunkt. GOTT war auf eine besondere Art besonders nah in der Zeit damals, was bedeutet: vor vier Jahren noch. Es ist schwer, diese besondere Art von Nähe jetzt wieder hinzukriegen. Doch wir arbeiten daran.

Es ist das totale Angewiesensein auf GOTT und Seine genialen Einfälle. Auf Seine Hilfe und all die serendipities, auf Seinen Trost und die Wendungen, die ER allein herbeiführen kann, das Staunen dabei und die schiere Dankbarkeit, die nackte Erleichterung… Jetzt ertappe ich mich oft dabei, dass ich mich für diejenige halte, die die Dinge regelt, nämlich indem ich einen Schein zücke und über die Verkaufstheke reiche. Das ist unangenehm und ich bin mir bewusst, dass das nicht der WEG ist. Hier hat Ego sich in die Frontalposition gebracht und hält sich für den Akteur in diesem Leben – nur wegen ein paar bedruckter Zettel und, schlimmer noch, Zahlen auf einem imaginären Bankkonto, das niemals jemand sieht, weil es keine Substanz hat.

Sorglosigkeit hat also einzig mit der NÄHE zu GOTT zu tun, und niemals, niemals, niemals mit der Höhe deines Einkommens. Es hält dir den Rücken frei, wenn du deine Rechnungen bezahlen kannst, es macht den Umgang mit den Leuten hier unten einfacher, wenn du ihnen ihre Bezahlungen geben kannst, doch es bringt dir ja deinen wichtigsten Schatz nicht näher. Und siehe oben: es bläst dein Ego auf auf Ballongrösse. Die beiden haben nämlich nichts miteinander zu tun, dein Schatz und das weltliche Geld.

Ich werde heute jedenfalls zum x-ten Male Kleidung um- und aussortieren, denn ein Kleiderschrank voller Tshirts fühlt sich widerlich an. Auch wenn es nur die für 1,50 vom primark sind. Mehr zu haben, als ich brauche, fühlt sich nicht mehr gut an. Etwas hat sich seit einst massiv innen in mir gewandelt. Es herrscht der Drang, es zu teilen. Gottlob gibt es den Kleinanzeigenmarkt.

Auf der anderen Seite der Waagschale wird freie Zeit immer wichtiger, Zeit für STILLE und GOTT. Es dauert manchmal ein paar Stunden oder auch mal Tage, bis ich soweit von dem Alltagstrott und den verdrehten Ansichten mancher Mitmenschen runtergefahren bin, dass ich mit IHM still zusammen sein und kommunizieren kann. Daher stehe ich aktuell vor einer sich anbahnenden Entscheidung – werde ich noch ein Jahr weiter mit so vielen Stunden arbeiten oder auf das Extrageld verzichten und lieber die freie Zeit nehmen? Ich nehme die freie Zeit, schätze ich. Nach einem elf-Stunden Tag vom DasHausVerlassen bis NachHauseKommen und dazwischen zwei Arbeitsstellen innerhalb einer Firma ist die Luft sowas von raus, so dass vieles abends auf der Strecke bleibt und ich komatös ins Bett falle. Das kann es natürlich nicht sein. Wichtiger ist, was die SEELE braucht und was uns näher zu IHM bringt. Alles andere muss zusammengekürzt werden auf sein Minimum. Diese Entscheidung wird mir nicht leicht gemacht, das ahne ich schon. Mal sehen, wie es ausgeht.

Tje Leute, das ist das Ding, so läuft es ab. Ich wette, der eine oder die andere findet sich wieder. Vielleicht traut ihr euch heute sogar, zu kommentieren.

 

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